Roboter-Schwärme jagen Seesterne im Great Barrier Reef

2. Oktober 2015, 09:08
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Der autonome "COTSbot" soll Naturschützern helfen, Invasionen des Dornenkronen-Seesterns zu bekämpfen

Er erreicht einen Durchmesser von 40 Zentimeter, besitzt bis zu 23 Arme und gefährliche Giftstacheln: der Dornenkronen-Seestern. Doch eine Eigenschaft des im Fachjargon als Acanthaster planci geführten Meerestieres bereitet Naturschützern besondere Sorge. Nämlich sein Heißhunger auf Steinkorallen, die seine einzige Nahrungsquelle darstellen.

Riesige Populationen der gefräßigen Pazifikbewohner bedrohen alle paar Jahre das Great Barrier Reef vor Australien. Das empfindliche, von vielfältigem Korallenwachstum geprägte Ökosystem gilt als ein wichtiges Meeresrefugium für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Wissenschaftler der Queensland University of Technology begegnen dem Räuber nun mit Technologie und schicken Roboter auf die Jagd, berichtet CNet.

Giftig und gefräßig: Der Dornenkronen-Seestern ernährt sich ausschließlich von Steinkorallen.

Autonomer Seestern-Killer

COTSbot ("Crown-of-Thorns Starfish Robot") heißt die speziell für die Seestern-Jagd entwickelte Maschine. Sie patroulliert eigenständig und kabellos in einer Höhe von einem Meter entlang des Meeresgrundes und erkennt ihre Ziele mit 99-prozentiger Genauigkeit dank Computersehens. Dabei ist der Roboter auch in der Lage, zwischen den Dornenkronenseesternen und unproblematischen Artverwandten zu unterscheiden.

Ist der Roboter unschlüssig, ob ein von ihm anvisiertes Ziel tatsächlich ein Dornenkronenseestern ist, nimmt er ein Foto auf, das von einem Menschen verifiziert werden muss und dann in seiner Datenbank landet, um die Erkennung weiter zu optimieren.

feras dayoub

Hat er ein Ziel fix auserkoren, schwebt der Roboter direkt über dem Seestern und fährt einen pneumatischen Arm aus. Dieser verfügt über eine dicke Nadel, mit welcher er die Kruste des Tieres durchstoßen kann. Über diese injiziert er eine Mischung aus Gallensalzen, Nähr- und Bindestoffen sowie Bakterien, die dem Opfer zusetzen. Für diesen beginnt ein Zersetzungsprozess, der darin endet, dass seine Oberfläche Blasen wirft, die aufplatzen und seine inneren Organe freilegen. Die künstliche Infektion kann sich auch auf in der Nähe befindliche Artgenossen ausbreiten.

Einsatz soll bald beginnen

Der selbständige Dornenkronen-Bekämpfer wurde über zehn Jahre entwickelt und kann unabhängig von Zeit und Wetter seinem Dienst nachgehen. Er soll in Flotten von zehn bis 100 Stück eingesetzt werden und als "Ersthelfer" bei einer Invasion der Seesterne dienen. Jeder Roboter kann bis zu acht Stunden am Stück patroullieren und mit einerm Tank bis zu 200 Injektionen verabreichen.

foto: queensland university of technology
"COTSbot" patroulliert knapp über dem Meeresboden.

Nach dem Maschinenschwarm sollen menschliche Taucher – die aktuell noch die komplette Arbeit stemmen – das von jeweilige Areal kontrollieren und übersehene Exemplare beseitigen. Erste Testläufe finden im Herbst statt. Wenn diese erfolgreich verlaufen, beginnt der reguläre Einsatz im Dezember. (gpi, 02.10.2015)

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