Schule: Zum Lernen erziehen

Rezension9. September 2015, 05:30
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Mit ihrem neuen Buch will Bildungspsychologin Christiane Spiel mit alten Klischees aufräumen und fordert eine wissenschaftliche Basis für die Diskussion

Das Thema Bildung und Ausbildung ist eines, bei dem alle mitreden. Schließlich hat doch beinahe jeder, zumindest für ein paar Jahre seines Lebens, die Schulbank gedrückt. Bildungspsychologin Christiane Spiel verfolgt mit ihrem neuen Buch "Schule – Leben fürs Lernen?!" das Ziel, mit alten Mythen rund um das Thema Schule aufzuräumen und stattdessen mit wichtigen Erkenntnissen aus der Wissenschaft Licht in die Bildungsdebatte zu bringen. Denn nicht jeder, der einmal Schüler oder Schülerin war, kann automatisch als helles Köpfchen in Bildungsfragen deklariert werden.

Ihr Buch, das gemeinsam mit der Wissenschaftsjournalisten Sonja Bettel entstanden ist, setzt bewusst auf eine einfache Sprache und übersetzt damit Basiswissen aus der Forschung für Laien und Interessierte. Den Lesern wird ein kompakter Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse der Bildungsforschung der vergangenen Jahre gegeben. Alle Protagonisten der Bildung bezieht Spiel in ihre Überlegungen mit ein: ob Schüler, Lehrerinnen, Wissenschafter oder Politikerinnen.

Ebenso werden altbekannte Redewendungen – wie "Mädchen sind zu dumm für Mathematik" – auf ihren Wahrheitsgehalt mittels aktueller Studien untersucht. Tatsächlich schneiden Buben bei Tests in Mathematik tendenziell besser ab als Mädchen. Spiel folgert daraus, dass diese Unterschiede aber weniger aufgrund von Begabungen zustande kommen – sondern weil Kinder von Beginn ihres Lebens an "geschlechtskonform" behandelt werden.

Lebenslanges Lernen

Die Bildungspsychologin, die früher als Lehrerin in einem Gymnasium unterrichtet hat, behandelt ebenso aktuelle Debatten und stellt zahlreiche Fragen, zum Beispiel: Weshalb schneidet Deutschland bei den Pisa-Tests besser ab als Österreich? Wo gibt es Probleme im Schulbereich? Warum geht in der Bildungspolitik so wenig weiter? Als Bremsklotz in der Bildungspolitik identifiziert Spiel übrigens wenig überraschend den starken Einfluss der Parteipolitik gepaart mit der mangelnden Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Darum plädiert sie für mehr Autonomie der Schulen.

Doch es soll auch Positives beim oft negativ konnotierten Thema Schule hervorgehoben werden. Deshalb fragt Spiel: Was läuft eigentlich gut im österreichischen Bildungsbereich? Die Überlegungen der Forscherin gipfeln in einem Idealmodell der Schule, das allerdings teilweise zu schön klingt, um wahr werden zu können – zumindest vom heutigen Zeitpunkt aus. Letztlich erachtet die Bildungspsychologin die Schule als Vorbereitung für das spätere Leben und den Arbeitsmarkt. Deshalb appelliert sie, Kinder frühzeitig zum selbstständigen Lernen zu erziehen. Denn ob Schulabschluss oder nicht, fest steht: Es wird doch das ganze Leben lang gelernt. (Sophie-Kristin Hausberger, 9.9.2015)


Weiterlesen "Ganztagsschule kann Benachteiligung ausgleichen"

  • Christiane Spiel, Sonja Bettel
"Schule – Lernen fürs Leben?!"
Galila-Verlag 2015
224 Seiten / 21,90 Euro
    foto: galia

    Christiane Spiel, Sonja Bettel

    "Schule – Lernen fürs Leben?!"

    Galila-Verlag 2015

    224 Seiten / 21,90 Euro

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