Lufthansa-Piloten drohen mit wöchentlichem Streik

8. September 2015, 16:49
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Streikserie bis zum Jahresende möglich – 20 Wien-Flüge fallen aus

Frankfurt/Schwechat – Die Passagiere der AUA-Mutter Lufthansa sollten sich auf noch einmal verschärfte Pilotenstreiks einstellen. Zum Auftakt der 13. Streikrunde am Dienstag drohte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) damit, dass ihre Mitglieder bei Europas größtem Luftverkehrskonzern bis zum Jahresende wöchentlich die Arbeit niederlegen.

Wörtlich sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Frankfurter Flughafen: "Bis auf Weiteres ist es jede Woche möglich, dass es neue Ausstände gibt. Ausgenommen davon ist vielleicht Weihnachten."

Schadenersatzklage in Millionenhöhe

Die Lufthansa will das Vorgehen der Pilotengewerkschaft gerichtlich überprüfen lassen. Aus dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main hieß es, das Unternehmen habe eine einstweilige Verfügung beantragt, um den Streik zu stoppen. Zudem will das Unternehmen VC auf 60 Mio. Euro Schadenersatz verklagen, wie es ankündigte.

Die Piloten hätten bei der ersten Runde im April 2014 nicht rechtmäßig gestreikt, weil damals zumindest bei der Tochtergesellschaft Lufthansa Cargo der angegriffene Tarifvertrag noch gültig gewesen sei, erklärte der Konzern. Eine entsprechende Klage werde man beim Arbeitsgericht Frankfurt am Main einlegen.

Die scheibchenweisen Ankündigungen der VC zu den einzelnen Streikmaßnahmen stellten die Lufthansa-Planer zwar vor schwere, aber nicht unlösbare Aufgaben, sagte Schädler: "Wir haben bereits bei dem Streik im März gezeigt, dass wir das operativ hinkriegen." Für die Kunden sei aber jeder weitere Flugausfall unzumutbar.

20 Wien-Flüge fallen aus

Der Streik der Lufthansa-Piloten wird sich auch auf den Flughafen Wien auswirken. "Nach derzeitigem Stand fallen 20 von 22 Flügen von und nach Wien aus, betroffen sind die Destinationen München und Frankfurt", sagte Airport-Sprecher Peter Kleemann am Dienstagnachmittag zur APA. Auch Flüge nach Graz wurden annulliert. Die Lufthansa-Tochter AUA setzt ab Wien größere Flieger ein.

Flüge der Austrian Airlines sind vom Streik bei ihrer Konzernmutter Lufthansa weder heute noch morgen betroffen. "Die AUA versucht zu helfen – wir werden größere Fluggeräte einsetzen und beispielsweise mit einer A321 statt einer A319 von Wien nach Frankfurt fliegen, damit kann man 40 bis 50 Passagiere mehr befördern", sagte AUA-Sprecherin Sandra Bijelic zur APA. Auch bei der AUA wartet man im Moment noch auf nähere Informationen zum morgigen Flugplan der Muttergesellschaft. "Solange die Airline nicht meldet, wissen wir nicht, welche Flüge betroffen sind."

Sonderflugplan

Am Montagabend hatte Cockpit angekündigt, den Streik am Mittwoch auf den viel zahlreicheren Kurz- und Mittelstrecken fortzusetzen. Die Lufthansa wollte auch dafür einen Sonderflugplan erarbeiten, der am frühen Dienstagnachmittag stehen sollte. Man habe am Mittwoch 1.520 Flüge mit rund 180.000 gebuchten Passagieren im Programm, hieß es.

Nicht betroffen sind Verbindungen der Tochter Germanwings. Deren Maschinen würden nur bestreikt, falls die Lufthansa sie als Ersatz für die eigenen Jets einsetzen sollte, kündigte die Gewerkschaft an.

Definitiv gestrichen waren am Dienstag 84 Fernflüge von und nach Frankfurt, München und Düsseldorf. Demgegenüber sollten 90 Überseeflüge stattfinden, bevor am Mittwoch wieder ein weitgehender Normalbetrieb auf den Interkontinentalstrecken geplant war. Wegen der gestörten Flugzeugumläufe sollten allerdings auch am Mittwoch und am Donnerstag einige Fernverbindungen nicht geflogen werden.

330 Millionen Euro Schaden

In den bisher zwölf Streikrunden des laufenden Tarifkonflikts hat die VC der Lufthansa nach deren Angaben rund 330 Mio. Euro an Schaden zugefügt. Offizieller Streikgrund bleiben die Übergangsrenten der etwa 5.400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings.

Es geht aber auch um die künftige Unternehmensstrategie mit der geplanten Billigschiene Eurowings. Lufthansa will hier ausschließlich Piloten einsetzen, die deutlich geringere Gehälter erhalten.

Die Piloten hatten seit März nicht mehr gestreikt, sich dann jedoch mit Lufthansa nicht auf eine neue Tarifstruktur einigen können. Sie werfen dem Unternehmen Tarifflucht vor, weil bei Eurowings Arbeitsplätze zu günstigeren Konditionen ins Ausland verlagert werden sollen. Das Management begründet die Pläne mit dem hohen Kosten- und Konkurrenzdruck durch Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet. (APA/Reuters, 8.9.2015)

  • Heute die Lang-, morgen die Kurzstrecken: Zahlreiche Lufthanflüge wurden annulliert.
    foto: apa/arne dedert

    Heute die Lang-, morgen die Kurzstrecken: Zahlreiche Lufthanflüge wurden annulliert.

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