Bauernproteste: Vergossene Milch

Kommentar7. September 2015, 17:48
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Die aktuelle Krise sollte als Anlass dienen, die Margen des Handels und die Chancen im Export zu prüfen

Wenn es in der Landwirtschaft gärt, dann weiß sich diese zu artikulieren. Auch am Montag zeigten die Landwirte anlässlich des Agrarrats in Brüssel die Vielfalt ihrer Demonstrationsmethoden. Angezündetes Stroh und Straßenblockaden hinterließen deutliche Spuren in Belgiens Metropole.

Gesunkene Milch- und Schweinefleischpreise sind der Grund für Sorge und Wut europäischer Bauern. Das ist verständlich, denn den Rückfall der Erlöse um ein Viertel kann niemand locker wegstecken. Die entscheidende Frage, die sich jetzt stellt, ist aber: Greift die EU den Landwirten kurzfristig unter die Arme, oder werden die überschaubaren Schritte in Richtung Marktöffnung revidiert? Gerade bei der Milch prägte jahrzehntelang ein System von Produktionsquoten das System, das als Folge von Milchseen und Butterbergen in den 1980er-Jahren aufgezogen wurde. Heuer fielen die Beschränkungen, bei deren Überschreitung regelmäßig hohe Strafzahlungen zu leisten waren. Die seither beobachtete Produktionssteigerung hält sich in Grenzen. Der Preisverfall ist mehr eine Kombination aus dem Ende der Quote, den Russlandsanktionen und dem Nachfragerückgang in den Schwellenländern.

Unter dem Strich und anhand einiger Marktsignale spricht viel dafür, das Ende der Schwankung abzuwarten. Auch wenn die aktuelle Situation schmerzt, sollte nicht vergessen werden, dass die Landwirte – gerade in benachteiligten Gebieten in den Alpen – für schlechtere Produktionsbedingungen hohe Kompensationen erhalten. Bei der restlichen Milch- und Fleischindustrie in Europa sind die Milliardensubventionen für Massentierhaltung ohnehin nicht nachvollziehbar. Die aktuelle Krise sollte somit als Anlass dienen, die Margen des Handels und die Chancen im Export zu prüfen. Eine Rückkehr zu ungehemmter Interventionitis wäre sprichtwörtlich vergossene Milch. (Andreas Schnauder, 7.9.2015)

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