Diese anderen Zivilisationen: "Im Zentrum: die Grenzen Europas" auf ORF 2

7. September 2015, 16:51
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Diplomatie – sie ist in der Politik gewiss keine gering zu achtende Größe

Die sonntägliche ORF-Politdiskussion "Im Zentrum" ist aus der Sommerpause zurück. Und an eines hat man sich gleich wieder gewöhnt: Politiker können auf konkrete Fragen keine konkreten Antworten geben. Es wäre dann nämlich alles sehr schnell gesagt, und wir wären dann viel zu früh daheim.

Moderatorin Ingrid Thurnher wollte gleich zu Beginn von Johannes Hahn (EU-Kommissar für Nachbarschaftspolitik) wissen, ob sich Ungarn nicht "vorbildlich" verhalte, wenn es an der Grenze zu Serbien einen Zaun errichte, also die Außengrenze dicht mache. Ungarn bzw. dessen ins Studio entsandter Staatssekretär Gergely Pröhle beruft sich nämlich ganz auf die Schengen-Regeln. Nun? Naja, nichts Genaues hört man nicht.

Diplomatie – sie ist in der Politik gewiss keine gering zu achtende Größe. Doch was soll das für eine EU sein, in der der eine dem anderen die Meinung nicht sagen kann, ja ihm, wie deutlich zu sehen, nicht einmal in die Augen schauen kann. Auch Melissa Fleming, Sprecherin des Flüchtlingswerks UNHCR, wich der Frage aus.

Aber was wäre so eine Fernsehsendung, wenn die Studiogäste nicht doch nach einer gewissen Zeit weichgeklopft wären! Gergely Pröhle, dem hier die Rolle des Buhmannes zufiel, lenkte zum Kern der Sache:

Nachdem der grüne EU-Abgeordnete Michel Reimon mit Nennung der Flüchtlingszahlen die Kirche wieder ins Dorf holte (von vier Millionen geflohenen Syrern seien in den letzten viereinhalb Jahren 350.000 in die EU gekommen), offenbarte Pröhle sein wahres Gesicht: Wir wollen "diese anderen Zivilisationen, diese ganz anderen Religionen" nicht im Land haben. Halleluja, liebes Europa, das ist dein Status quo. (Margarete Affenzeller, 8.9.2015)

  • "Im Zentrum: Die Grenzen Europas – Wohin mit den Flüchtlingen?" vom Sonntag, 6.9.2015, ORF.
    foto: screenshot/orftvthek

    "Im Zentrum: Die Grenzen Europas – Wohin mit den Flüchtlingen?" vom Sonntag, 6.9.2015, ORF.

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