Ein Platzerl für den österreichischen Atommüll und andere Anliegen

9. September 2015, 10:15
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Die Geschichte der österreichisch-iranischen Beziehungen ist erstaunlich dicht, in guten Zeiten herrschte steter Reiseverkehr in beide Richtungen

Jene, die Österreich vorwerfen, mehr als alle anderen nach Teheran zu drängen, können zumindest nicht behaupten, dass wir den Iran erst jetzt entdeckt hätten: Die Geschichte der österreichisch-iranischen Beziehungen ist erstaunlich dicht und beginnt natürlich weit vor den beiderseitigen Republikstagen.

Ebenso bunt ist der Reigen der durch die Jahre aktuellen Themen. Wer errät, mit welchem Auftrag Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg 1977 nach Teheran geschickt wurde? Sie sollte anklopfen, ob sich irgendwo in den iranischen Wüsten ein Platzerl für den österreichischen Atommüll finden würde. Ihre Anfrage war nicht lange danach gleich in zweifacher Hinsicht hinfällig: Die Zwentendorf-Abstimmung in Österreich war gegen das Atomkraftwerk ausgefallen, und auch im Iran hatte das Volk gesprochen, 1979, in einer (anfangs nicht nur islamischen) Revolution.

Österreichische Bundespräsidenten als Eisbrecher

Im Gedächtnis haften bleiben jedoch die Besuche der Staatsspitzen, und da sieht man, dass österreichische Bundespräsidenten tatsächlich gerne als Eisbrecher fungierten. 1991 reiste Kurt Waldheim als erster westlicher Staatschef nach der Revolution nach Teheran (Khomeini war seit zwei Jahren tot, Präsident war Ali Akbar Hashemi Rafsanjani): umso erstaunlicher, als 1989 in Wien nicht nur der iranische Kurdenführer Abdul Rahman Ghassemlou und dessen Stellvertreter, sondern auch der österreichische Staatsbürger Fadel Rasoul mutmaßlich vom iranischen Geheimdienst ermordet worden waren. Thomas Klestil fuhr gleich zweimal: 1999 und 2004, bevor sich das Sanktionskarussell im Atomstreit zu drehen begann. Und hier stimmt auch das Wort, dass die Letzten die Ersten sein werden: Heinz Fischer ist nun das erste Staatsoberhaupt nach dem Erreichen des Atomdeals.

Der Reiseverkehr ging stets auch in die andere Richtung: 1965 kostete der Besuch von Schah Reza Pahlavi einen Bundespräsidenten das Leben: Der bereits kranke Adolf Schärf verkühlte sich im Februar 1965 beim Warten in Schwechat und starb. Dem Besuch von Nasreddin Schah 1873 haben wir hingegen "Die Geschichte von der 1002. Nacht" zu verdanken: Joseph Roths Geschichte über Mizzi Schinagl und die Perlen des orientalischen Herrschers. (Gudrun Harrer, 9.9.2015)

  • Hertha Firnberg: Ihr Auftrag war bald überholt. Neben ihr im Theater: Bruno Kreisky.
    foto: picturedesk

    Hertha Firnberg: Ihr Auftrag war bald überholt. Neben ihr im Theater: Bruno Kreisky.

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