Aurélien Villette: Verwunschen, verwunschen

10. September 2015, 11:08
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Der Fotograf Aurélien Villette teilt mit den Vertretern der Romantik das Interesse an Ruinen und Fragmentarischem als Bezug zur Gegenwart

In seiner 1852 erschienenen Novelle Arria Marcella lädt Théophile Gautier die Leser ein, in den Ruinen Pompeijs den Spuren Octavians zu folgen. In dem Maß, wie juvenile Nostalgiker über die Pflaster und Steinfelder der Ruine wandeln, erwachen die Mauern, Fresken und Inschriften zu neuem Leben. Die Stadt ersteht neu, Männer und Frauen in Tuniken politisieren, diskutieren, leben und bevölkern die Stufen der Amphitheater.

Der Fotograf Aurélien Villette teilt mit Gautier, Wilhelm Jensen, E. T. A. Hoffmann und anderen Vertretern der Romantik das Interesse an Ruinen und Fragmentarischem als Bezug zur Gegenwart. Architektur als Macht, als Symbol, Synonym für Emotionen und Befindlichkeiten bestimmt den philosophischen, intellektuellen Hintergrund im OEuvre des 1982 in Chesnay bei Paris geborenen Künstlers.

Villettes Bilder zeigen luzide die Metamorphosen unserer schwankenden Gesellschaft. Er hinterfragt angesichts architektonischer Konstrukte Sinn, Kultur und Wertschätzungen der Vergangenheit. Transkontinental, weltweit. Der Genius Loci der Bewohner bleibt Räumen, auch wenn sie verlassen sind, erhalten. Sichtbar macht dies Aurélien Villette in seinen Serien über Reminiszenz, Verlust, Vergänglichkeit und Unendlichkeit. Auf der Suche nach des Lebens Seele. (Gregor Auenhammer, Album, 8.9.2015)

Aurélien Villette, "Spirit of Place". € 59,- / 176 Seiten. teNeues-Verlag, Edition Yellow Korner, Kempen/Paris 2015

  • Trotz Verlassenschaft wirkt der Geist der Bewohner in Palästen, Kathedralen, einfachen Räumen nach. Aurélien Villette macht Verluste kultureller Identität sichtbar.
    aufschlagseite aus aurélien villettes "spirit of place", fotografiert von lukas friesenbichler

    Trotz Verlassenschaft wirkt der Geist der Bewohner in Palästen, Kathedralen, einfachen Räumen nach. Aurélien Villette macht Verluste kultureller Identität sichtbar.


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