Immunkraft gegen Hautkrebs

7. September 2015, 12:03
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An der Med-Uni Wien werden die Möglichkeiten der Immuntherapie ausgelotet – bei sieben bis neun Prozent aller Malignen Melanomen zeichnet sich Wirksamkeit ab

Die Immuntherapie gilt als eines der Hoffnungsgebiete in der Krebstherapie. An der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien und des AKH Wien wird die neue Generation der Wirksubstanzen bereits seit einem Jahrzehnt in klinischen Studien und seit deren Zulassung in der Therapie von Melanomen im klinischen Alltag eingesetzt. Darüber hinaus wird in Studien die Wirkweise von Kombinationstherapien erprobt und der vorbeugende Einsatz der Immuntherapie nach der operativen Entfernung des Melanoms untersucht.

Laut Statistik Austria erkranken in Österreich pro Jahr etwa 1.500 Menschen an einem malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) bei sicherlich höheren Dunkelziffern. Da die bösartige Krankheit dazu neigt, früh zu metastasieren, ist ihre Prognose ungünstig und das Melanom galt lange als sehr schwer zu behandeln. Der Einsatz der Immuntherapie hat aber zu einem Paradigmenwechsel geführt.

Selbstverteidigung aktivieren

Das Grundprinzip der Immuntherapie ist es, das eigene Immunsystem zu aktivieren und gegen Tumorzellen zu richten. Eine wesentliche Rolle spielen dabei sogenannte Immun-Checkpoints. Dabei handelt es sich um Rezeptorproteine, die auf der Oberfläche von T-Zellen (weiße Blutzellen, die der Immunabwehr dienen) ausgebildet werden. Wenn spezifische Signalstoffe (Liganden) an die Checkpoints anbinden, wird die T-Zelle gebremst. Dieser Mechanismus dient der natürlichen Regulierung des Immunsystems und verhindert, dass es "überschießt" und körpereigene, gesunde Zellen angreift.

Allerdings können auch Tumorzellen Liganden ausbilden, die über die Checkpoints das Immunsystem hemmen. Gelingt es, die Checkpoints der T-Zelle zu blockieren und somit zu verhindern, dass die Liganden am Rezeptor anbinden, wird der Signalweg unterbunden, die T-Zelle aktiviert, eine Immunreaktion ausgelöst und der Tumor bekämpft. Diese Blockade erfolgt durch sogenannte Checkpoint-Inhibitoren, das sind künstlich hergestellte Antikörper (humanisierte monoklonale Antikörper), die mittels Infusion verabreicht werden.

Neu: in klinischer Routine im Einsatz

An der MedUni Wien und am AKH Wien wird nun nach dreijähriger Erprobung in Studien die neue Generation der Checkpoint-Inhibitoren (Nivolumab und Pembrolizumab, beides PD1-Antikörper) in der Routine eingesetzt. Hubert Pehamberger, Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien und des AKH Wien sowie Mitglied des Comprehensive Cancer Center (CCC): "Unsere Klinik nimmt seit fast zehn Jahren an allen großen Studien im Bereich Immuntherapie teil."

Christoph Höller, Spezialist für Melanome an der Universitätsklinik für Dermatologie, ergänzt: "Die Ergebnisse waren so erfolgreich, dass wir seit zirka zwei Monaten beide Antikörper als Erstlinientherapie im Einsatz haben. Bei sieben bis neun Prozent aller PatientInnen erfolgt eine komplette Rückbildung des Tumors. Bei vielen weiteren Patienten erzielen wir zumindest eine dauerhafte Remission. Das ist bei der grundsätzlich eher schlechten Prognose der Erkrankung beachtlich."

Studien untersuchen neue Therapieschemata

Beflügelt von den bisherigen Erfolgen arbeiten die WissenschafterInnen der MedUni weiter an der Verbesserung dieser Therapie. Höller: "Bei uns laufen weiterhin Studien zur Immuntherapie. Einerseits erproben wir die Kombination der Checkpoint-Inhibitoren PD1 (Anm.: Nivolumab) und CTLA4 (Anm.: Ipilimumab).

Andererseits beginnt eine Studie, in der ein PD-1 Antikörper mit einem gentechnisch veränderten Herpesvirus kombiniert wird." Das Virus wird in die Metastasen eingespritzt und bewirkt, dass die Tumorzelle zerfällt. Die Bruchstücke der Tumorzelle provozieren eine starke, lokale Immunreaktion, die durch die Gabe des Antikörpers zusätzlich verstärkt wird.

Höller: "Wir beschäftigen uns aber auch mit der Metastasierung des malignen Melanoms. Nach der operativen Entfernung des Hautkrebses besteht die Gefahr, dass Metastasen gebildet werden. In einer aktuellen Studie verabreichen wir daher PD1-Antikörper quasi vorbeugend und warten, salopp gesagt, nicht auf die Metastasierung." (APA, 7.9.2015)

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