Android: Interesse an Highend-Smartphones sinkt deutlich

7. September 2015, 10:33
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Immer stärkere Konkurrenz vom Low-end- und Mid-range-Segment – Apple mit iPhones weiter auf Kurs

Es zeichnete sich bei Samsung bereits exemplarisch ab. Als der koreanische Konzern vor drei Jahren das Galaxy S4-Smartphone auf den Markt brachte, wurde bald darauf berichtet, dass dieses die hohen Erwartungen in puncto Verkaufszahlen nicht erfüllen konnte. Sein Vorgänger, das S3, war noch ein Verkaufsschlager. Mit dem S5 und S6 scheint sich das Dilemma verstärkt zu haben, auch heuer blieben Meldungen üner schwache Absätze nicht aus.

Doch Samsung ist nicht der einzige Hersteller, dessen Android-Handys im Premium-Segment von der Kundschaft zunehmend liegen gelassen werden, schreibt Tech-Journalist Charles Arthur auf seiner Website. Auch andere bekannte Namen kämpfen mit Absatzproblemen.

Unter dem Niveau von 2013

Arthur hat dazu auch einige Zahlen gesammelt und Berechnungen angestellt. Laut seinem Ergebnis wuchs der Premium-Smartphone-Markt zwischen dem zweiten Quartal 2013 und 2014 noch um rund 15 Prozent, was die Menge an verkauften Geräten angeht. Fast alle Hersteller verzeichneten zwar sinkendes Wachstum, konnten aber – mit Ausnahme von HTC – ihre Verkäufe zumindest ein wenig steigern. Insgesamt schwoll das Volumen von 117,5 am 129,4 Millionen Geräte an.

Doch von 2014 auf 2015 brach dieses Marktsegment ein. Laut Arthurs Ergebnissen lag es mit 115,2 Millionen ausgelieferten Highend-Smartphones sogar unter dem Niveau von 2013. Der gesamte Markt wuchs im zweiten Quartal allerdings weiter, wenn auch nicht so stark wie bisher.

Teils deutliche Einbrüche

Dabei zeigen sich Hersteller-spezifische Unterschiede. Vergleichsweise klein fiel das Minus bei LG aus und auch bei Samsung ist der Rückgang in Bezug auf den Absatz insgesamt gering. Sony, das schon länger darauf setzt, jedes Halbjahr ein neues Flaggschiff zu präsentieren, musste ebenso herbe Einbußen hinnehmen wie HTC, das sich aber schon länger im freien Fall befindet. Besonders drastisch (von 24,4 auf 16,2 Millionen Geräte) fiel der Rückgang bei Lenovo und Motorola aus.

Völlig entgegen diesem Trend, der den Android-Markt erfasst hat, bewegt sich Apple. Hier nahmen die Verkäufe deutlich zu und sprangen von 35,2 auf 47,5 Millionen. Gleichzeitig operiert das Unternehmen weiter mit üppigen Margen und verzeuchnet dementsprechend weiter dickes Umsatzwachstum, während alle namhafteren Konkurrenten im Smartphone-Bereich zurückstecken müssen.

Kannibalisierung

Die Probleme des Android-Premium-Marktes sieht Arthur in mehreren Bereichen. Einerseits dürften manche Hersteller schlicht mit verschiedenen Entscheidungen so manche Kunden verschreckt haben, wie etwa Samsung mit dem Verzicht auf die bisher immer mögliche Speichererweiterung per microSD-Karte bei seinen Mobiltelefonen. Andererseits wächst der Druck aus niedrigeren Preissegmenten.

Selbst vergleichsweise günstige Smartphones werden immer leistungsfähiger, dazu bieten teure Premium-Modelle kaum Mehrwert gegenüber wesentlich erschwinglicheren Telefonen wie etwa dem OnePlus 2. Die Hersteller hätten es außerdem verfehlt, mit ihren aktuellen Geräten überzeugende Kaufargumente zu liefern und sich ausreichend von der günstigeren Konkurrenz zu differenzieren, argumentiert Arthur. Dementsprechend wird der Premium-Markt nun wie von "Piranhas" zerrissen.

Duopol

Mehr als je zuvor, so eine Bilanz, wird das Smartphone-Geschäft von nur zwei Firmen dominiert – Apple und Samsung – die hohe Verkäufe aufweisen und dabei profitabel sind. Und nur eine davon ist im Highend-Geschäft wirklich erfolgreich. Alle anderen müssen auf potenzielle neue Wachstumsmärkte, etwa das Internet der Dinge oder Virtual Reality, hoffen. (gpi, 07.09.2015)

  • Samsung und Apple scheinen die einzigen großen Hersteller zu sein, die langfristig profitabel arbeiten können.
    foto: reuters

    Samsung und Apple scheinen die einzigen großen Hersteller zu sein, die langfristig profitabel arbeiten können.

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