Abkühlung in China würde Österreich stark treffen

7. September 2015, 08:38
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Ein massiver Wachstumsknick in China wäre verkraftbar, würde Österreich aber mehr als andere EU-Staaten treffen. Börsenregulierer in Peking wollen Aufsicht verschärfen

Wien/Shanghai – Ein massiver Wachstumsknick in China würde die österreichische Wirtschaft stärker treffen als andere europäische Staaten, wäre aber immer noch verkraftbar, geht aus einer Analyse der Bank Austria hervor. Ein Prozentpunkt weniger BIP-Wachstum in China schwächt Österreichs Wirtschaftsleistung um bis zu 0,3 Prozentpunkte, so die Rechnung der Bank Austria. Im Extremfall könnte Österreichs BIP 2020 um 1,5 bis 2,5 Prozent geringer ausfallen.

Stark betroffen ist Österreich, weil Chinas Wirtschaft vor allem wegen der umfangreichen Zulieferungen aus Österreich nach Deutschland eine deutlich höhere Endnachfrage an österreichischer Wertschöpfung aufweist, als das der alleinige Blick auf die direkten Exporte Österreichs anzeigt – es kommen also noch Zweitrundeneffekte über Drittstaaten hinzu.

Hilfe durch Rohstoffpreise

Für Österreich würden negative Effekte durch geringere Rohstoffpreise etwas abgeschwächt. In Summe wären in Europa die Folgen für Deutschland am stärksten. Ein Rückgang des BIP-Anstiegs in China um einen Prozentpunkt würde der Weltwirtschaft ein um rund 0,4 Prozentpunkte geringeres Wachstum bescheren, so die Bank Austria. Die Auswirkungen auf Europa wären mit 0,25 Prozentpunkten spürbar geringer, doch für Österreich lägen sie mit über 0,3 Prozentpunkten überdurchschnittlich hoch.

94 Milliarden Reserve weg

China hat in den letzten Wochen massiv interveniert, um den Wert der Währung Yuan zu stabilisieren. Die Währungsreserven gingen im August um 93,9 Milliarden Dollar zurück. Mit 3557 Milliarden Dollar ist der Devisentopf der Notenbank aber immer noch prall gefüllt.

In Reaktion auf den jüngsten Abschwung an den chinesischen Börsen haben Chinas Börsenregulierer einige Wünsche: Sie wollen die Aufsicht über die Märkte verschärfen. "Die Regierung wird normalerweise nicht eingreifen. Aber wenn es zu ernsten, abnormalen Fluktuationen an den Märkten kommt, kann die Regierung nicht einfach daneben sitzen", erklärte die Aufsichtsbehörde CSRC am späten Sonntagabend.

Stattdessen müsse die Regierung rechtzeitig entschiedene Maßnahmen zur Stabilisierung der Märkte ergreifen. Die Rede war von einem System, das den Handel bei erheblichen Kurseinbrüchen stoppen würde.

In der Mitteilung hieß es zudem, die Märkte seien stabiler als zuletzt. Die chinesischen Börsen sind seit Mitte Juni um etwa 40 Prozent eingebrochen. Wegen der Turbulenzen hat die Regierung in Peking eine ganze Reihe von Gegenmaßnahmen ergriffen. (APA, red, 7.9.2015)

  • Bei argen Kursausschlägen nach unten will die chinesische Börsenaufsicht den Handel stoppen können.
    foto: reuters / aly song

    Bei argen Kursausschlägen nach unten will die chinesische Börsenaufsicht den Handel stoppen können.

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