G20 warnen vor einem Währungskrieg

6. September 2015, 17:17
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Nur vorübergehend ist die Abschwächung der Weltkonjunktur laut den Finanzministern der G20, auch Chinas Konjunktur sehen sie auf Kurs. Die Aufnahme Chinas in den IWF-Währungskorb sei eine Frage der Zeit.

Ankara – Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) sind trotz des Wirtschaftsabschwungs in China und der Börsenturbulenzen nicht in Alarmstimmung. Allerdings räumen sie ein, dass das globale Wachstum hinter den Erwartungen bleibe. Nach zweitägigen Beratungen in Ankara bekräftigten die G20-Finanzminister und
-Notenbankchefs aber: "Wir sind zuversichtlich, dass die Erholung der Weltwirtschaft an Geschwindigkeit gewinnen wird." Sie verpflichteten sich zugleich, "entschiedene Maßnahmen zu ergreifen", um die wirtschaftliche Erholung auf Kurs zu halten.

Konzertierte Anstrengungen

Auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie der Deutsche-Bundesbank-Präsident Jens Weidmann halten die Lage für beherrschbar. Die "gewisse Abschwächung" der Weltwirtschaft sei kein Grund, "jetzt mit großer Nervosität die Dinge zu betrachten", sagte Schäuble. Laut Weidmann gibt es auch für die "robuste" deutsche Wirtschaft keinen Grund zur Schwarzmalerei.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sprach von Unsicherheiten für die Weltwirtschaft und zeigte sich unzufrieden mit den Fortschritten beim Wachstum. Sie forderte "konzertierte" Anstrengungen, um mit einem Mix aus konjunkturstützender Geld- und Finanzpolitik sowie Strukturreformen voranzukommen.

Nach der jahrelangen Politik des billigen Geldes steuern die Top-Wirtschaftsmächte auf ein Ende der Niedrigzinspolitik zu. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass im Einklang mit verbesserten Wirtschaftsaussichten eine straffere Geldpolitik in einigen Industrieländern wahrscheinlicher wird." Betont wird, dass Geldpolitik allein nicht für ausgewogenes Wachstum sorgen könne. Über diese Formulierung stritten die G20 bis zuletzt.

Konjunkturabkühlung in China

Die Konjunkturabkühlung im Reich der Mitte war in Ankara ebenfalls Thema, offene Kritik an China unterließen die G20 in den Sitzungen jedoch. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde und die Weltwirtschaft seien widerstandsfähig, um diese "leichte Eintrübung zu meistern", sagte Schäuble. Die Chinesen hätten schon vor geraumer Zeit darauf verwiesen, dass die früheren hohen Wachstumszahlen eher auf Raten zwischen 6,5 und sieben Prozent einschwenken würden: "Das erreichen sie auch, nach allem, was man weiß."

Weidmann zufolge wird schon länger eine Anpassung der Wirtschaft Chinas zu einem ausgewogeneren Wachstumspfad beobachtet. Der Kursrutsch an den Börsen Chinas sei eine Korrektur früherer Übertreibungen mit begrenzten Auswirkungen.

Ohne China zu nennen, warnen die G20 vor einem Währungskrieg: "Wir werden Abwertungswettläufe unterlassen und allen Formen des Protektionismus widerstehen." Angemahnt wird eine Wechselkurspolitik, die den ökonomischen Daten entspricht. Aus Sicht Schäubles nähert sich China dem Ziel, dass der Yuan in den IWF-Währungskorb aufgenommen wird und zur globalen Reservewährung aufsteigt: "Das ist noch nicht so weit, die Voraussetzungen sind noch nicht geschaffen. Aber es geht in die Richtung."

Keine Regulierungspause

Ein Zeitpunkt für die erwartete Zinswende in den USA wird in der G20-Erklärung nicht genannt. Um negative Auswirkungen zu vermeiden, kündigten die G20 ein "sorgfältiges Vorgehen mit klarer Kommunikation" über einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik an. Vor allem Schwellenländer fürchten negative Folgen wie einen Kapitalabfluss, wenn die USA die Leitzinsen anheben.

Mit Blick auf weitere Auflagen für Finanzinstitute erteilten Schäuble sowie Weidmann Forderungen der Banken nach einer Regulierungspause eine Absage. "Wir können den Banken nicht versprechen, dass es ein Ende der Regulierung gibt", sagte Schäuble. Weidmann betonte, die bisherigen Vorgaben seien noch nicht abgearbeitet. Zudem entstünden neue Produkte, auf die reagiert werden müsse. (APA, Reuters, red, 7.9.2015)

  • Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht China auf einem guten Weg, dass der Yuan zur globalen Reservewährung aufsteigt. Noch seien aber nicht alle Voraussetzungen geschaffen.
    foto: reuters/stringer

    Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht China auf einem guten Weg, dass der Yuan zur globalen Reservewährung aufsteigt. Noch seien aber nicht alle Voraussetzungen geschaffen.

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