SPÖ: Schule soll künftig schon um sieben Uhr beginnen

6. September 2015, 17:33
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Die SPÖ zeigt sich entschlossen, alle Schulen auf ganztägigen Betrieb umzustellen und ihre Positionen zur Gesamtschule in der Koalition durchzusetzen

Wien – Alle reden von den Flüchtlingen – das konnte man beim Bundesparteirat der SPÖ am vergangenen Samstag nicht übergehen, auch wenn diese erste derartige Veranstaltung überhaupt einem anderen Thema gewidmet war: Zu Beginn des Schuljahres wollten die Sozialdemokraten das Thema Bildung besetzen. Vor halbleerem Haus – viele Delegierte hatten sich entschuldigt, um Flüchtlingen zu helfen – versuchte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek Stimmung zu machen.

Lernen und Turnen

In ihrer bewusst in ostösterreichischer Umgangssprache gefärbten Rede schilderte sie anschaulich, wie sie sich Bildung vorstellt: "Die Schul' der Zukunft sperrt um siebane auf" – und dann wird den ganzen Tag gelernt, aber in leicht verdaulichen Portionen: "Dazwischen tu ma am Vormittag auch was anderes, da tu ma uns a bissl bewegen." Viel Bewegung, viel Spaß, lernen miteinander, lernen voneinander – und keine Hausübungen, keine Schultaschen. Das ist die Vorstellung der Ganztagsschule, die nicht nur Heinisch-Hosek beim Parteirat ausbreitete.

Das ist Konsens in der SPÖ. Da braucht man nicht viel zu diskutieren. Und es wurde auch nicht viel diskutiert, bevor die Resolution "Bildung – Chancen – Zukunft" mit 100 Prozent Zustimmung (was bei SPÖ-Parteitagen selten geworden ist) angenommen wurde.

Rotes Ministerium wichtig

Heinisch-Hosek hatte dafür nicht nur die schulische Praxis – wenn die Schule von sieben bis 19 Uhr offen haben soll, dann soll für die Freizeitbetreuung "die außerschulische Jugendarbeit in die Schulen hereingeholt werden" – skizziert. Sie hat auch festgehalten, worum es der SPÖ politisch geht: "Das ganz Wichtige ist, dass wir ein rotes Bildungsministerium erhalten" – egal, wie künftige Koalitionen aussehen mögen.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl – er ist auch Mitglied der Reformgruppe der Koalition, die bis 17. November die Eckpunkte der künftigen Schulreformen vorlegen soll – räumte ein, dass die roten Pläne nicht ganz so rasch umgesetzt werden können, wie die Sozialdemokraten sich das wünschen würden: "Bis wir dieses Schulmodell durchgesetzt haben, wird es noch eine Zeit dauern, bis dahin werden wir Eltern mit Gratisnachhilfe unterstützen müssen. Ich sehne den Tag herbei, wo wir das nicht mehr brauchen."

No child left behind

Sowohl Häupl als auch Bundeskanzler Werner Faymann versicherten, dass die Bildungspolitik nach sozialdemokratischen Vorstellungen kein Kind zurücklassen dürfe – eine Formulierung, die an den "No child left behind"-Act von George W. Bush erinnert – und dass die SPÖ nicht leistungsfeindlich sei: "Leistung ist nicht nur, was der großartige Unternehmer macht, sondern auch das, was der Hochofenarbeiter macht", sagte Häupl und sprach den Delegierten offenbar aus der Seele. Er forderte, dass sich die Bildungspolitik an den Schülern und nicht an der Schulverwaltung (sprich: den Lehrern) orientieren müsse. (Conrad Seidl, 7.9.2015)

  • Ministerin Heinisch-Hosek versuchte die Delegierten mit einer volkstümlichen Rede zu erreichen.
    foto: apa/punz

    Ministerin Heinisch-Hosek versuchte die Delegierten mit einer volkstümlichen Rede zu erreichen.

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