Anschlag auf "Rainbow Warrior": Attentäter bittet um Verzeihung

6. September 2015, 16:50
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Französischer Agent war vor 30 Jahren an der Versenkung des Greenpeace-Schiffs beteiligt

Wellington – Mehr als 30 Jahre nach der Versenkung des Greenpeace-Schiffs "Rainbow Warrior" in Neuseeland durch den französischen Auslandsgeheimdienst DGSE hat der damalige DGSE-Agent und Bombenleger sich entschuldigt. In einem am Sonntag auf der Internet-Enthüllungsseite Mediapart veröffentlichten Interview gab Jean-Luc Kister zugleich Details der nächtlichen Geheimdienstoperation vom 10. Juli 1985 preis.

Mit ihr sollten Proteste der Umweltschützer gegen französische Atomwaffentests im Südpazifik verhindert werden. Der Greenpeace-Fotograf Fernando Pereira ertrank damals an Bord des Schiffs.

"Unverhältnismäßig"

Kister hatte damals als DGSE-Kampfschwimmer ein gewaltiges Loch in den Rumpf des Greenpeace-Schiffs gesprengt. In dem Interview bedauerte er nun seine Aktion zutiefst und bat Pereiras Angehörige, die anderen Umweltschützer an Bord des Schiffs und das "neuseeländische Volk" um Verzeihung. Er habe den "Tod eines Unschuldigen auf dem Gewissen", und das wiege "schwer".

Den vom damaligen Verteidigungsminister Charles Hernu unter Staatspräsident Francois Mitterand angeordneten Einsatz von insgesamt zwölf DGSE-Agenten bezeichnete Kister in dem Interview als "unverhältnismäßig". Mögliche Alternativen hätten die politischen Entscheidungsträger abgelehnt. Unter anderem sei erwogen worden, die Schiffsschraube zu zerstören, um das Auslaufen der "Rainbow Warrior" aus dem neuseeländischen Hafen Auckland zu verhindern. "Nein, sie muss versenkt werden", habe es geheißen.

"Operation Satanique"

Mediapart-Gründer Edwy Plenel, der das Interview führte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, offen bleibe die Rolle des 1996 verstorbenen Staatschefs Mitterrand. Der Politiker der Sozialistischen Partei (PS) hatte die "Operation Satanique" ("Satanischer Einsatz") nach Angaben des damaligen DGSE-Chefs Pierre Lacoste selbst genehmigt. "Aber inwieweit wusste Mitterrand, dass diese so gewalttätig sein würde?", fragte der Enthüllungsjournalist.

Am Einsatz zur Befestigung von zwei Haftminen an der "Rainbow Warrior" waren neben Kister Jean Camas und Gerard Royal, der Bruder der derzeitigen Umweltministerin und ehemaligen sozialistischen Präsidentschaftsbewerberin Segolene Royal, beteiligt.

Der Fall sorgte weltweit für Empörung. Der vor zehn Jahren verstorbene neuseeländische Regierungschef David Lange sprach von einem "gemeinen Akt internationalen, staatlich unterstützten Terrorismus'". Der eng mit Mitterrand befreundete Hernu trat zurück, DGSE-Chef Lacoste wurde gefeuert.

Die zwölf beteiligten Agenten kamen glimpflich davon. Zwei von ihnen wurden im November 1985 in Auckland zwar zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ein Jahr später wurden sie aber nach einem Deal mit der neuseeländischen Regierung in ein Militärgefängnis auf dem Hao-Atoll in Französisch-Polynesien verlegt und bald entlassen. Die anderen Beteiligten kamen nie vor Gericht. (APA, 6.9.2015)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Rainbow Warrior im Hafen von Auckland.

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