China: Google unterwirft sich für Play Store staatlicher Zensur

6. September 2015, 10:07
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Laut aktuellem Bericht – Unternehmen will Anreize für Update auf aktuelles Android schaffen

Was viele IT-Unternehmen ungern erwähnen: Wer in China mit seinen Services aktiv sein will, muss sich an die lokalen Zensurregeln halten. Bis ins Jahr 2010 gehörte auch Google dazu, doch dann folgte die "Operation Aurora": Eine großangelegte Cyberattacke, die dem chinesischen Staat zugeschrieben wird, und in deren Verlauf unter anderem in die lokalen IT-Systeme von Google eingebrochen wurde. Google reagierte darauf ziemlich erbost: Das Unternehmen machte die Angriffe öffentlich, und verkündete den Rückzug aus China. Die Google-Suche war für chinesische Nutzer fortan nur mehr über Hongkong zu beziehen, und wird so wie andere Services des Unternehmens im restlichen China regelmäßig blockiert.

Zensur

Nun scheint Google aber bereit, diese Haltung zumindest in einem spezifischen Bereich aufzugeben: Wie The Information berichtet, plane Google seinen Play Store für Android-Apps nach China zu bringen. Dabei wolle man sich an die lokalen Zensurgesetze halten, von den lokalen Behörden beanspruchte Apps werden also für chinesische Nutzer blockiert. Umgekehrt werde es dadurch auch für chinesische Entwickler möglich, ihre Apps einer internationalen Öffentlichkeit anzubieten.

Motivationslage

Mit diesem Schritt will Google die Kontrolle über einen bedeutenden Teil des Android-Ökosystems zurückgewinnen. Bisher werden Android-Geräte in China vollständig ohne Play Store und Google-Services ausgeliefert. Statt dessen gibt es eine Vielfalt an inoffiziellen App Stores, über die oft auch Malware verbreitet wird. Entsprechend ist Schadsoftware auf Android-Geräten in China mittlerweile ein durchaus reales Problem, während das Thema in den meisten anderen Ländern bislang praktisch keine Rolle spielt.

Offene Fragen

Zusätzlich entgeht Google hier aber natürlich auch ein bedeutender Markt. Unklar bleibt angesichts des Berichts allerdings, ob sich diese Maßnahmen nur auf den Play Store bezieht, oder ob auch andere Google-Services davon betroffen sind. Immerhin sehen die Google-Regeln in anderen Ländern vor, dass die Auslieferung der Play Stores zwingend mit einigen zentralen Google-Apps einhergeht. Dies macht freilich keinen Sinn, wenn diese laufend von der chinesischen Regierung blockiert werden.

Angebot? Oder Zwang?

Auch muss sich erst zeigen, wie die chinesischen Hardwarehersteller auf so ein Angebot reagieren. Zumindest die größeren davon, wie ZTE, Huawei oder Xiaomi, liefern aber international all ihre Geräte sehr wohl mit dem Play Store aus. Insofern ist wohl davon auszugehen, dass man hier auch in China künftig Googles Angebot annimmt. Unter Umständen könnte Google seine Partner sogar dazu zwingen, den Play Store künftig auch in China zu übernehmen. Immerhin gab es für das asiatische Land angesichts der politischen Realitäten bisher eine Ausnahmeregelung. Ansonsten ist es all jenen Unternehmen, die Teil der Open Handset Alliance sind – und das müssen alle sein, die die Google Services in irgendeinem Land haben wollen – untesagt, Geräte mit nicht-offiziellen Android-Versionen auszuliefern.

Huawei-Deal

Der Zeitpunkt für die Rückkehr nach China dürfte dabei nicht ganz überraschend sein. So war schon in den letzten Monaten gemunkelt worden, dass Huawei Google mit seinen Kontakten zur Seite steht. Im Gegenzug hilft der Android-Hersteller beim Schritt in den US-Markt – nicht zuletzt indem Huawei heuer ein Nexus-Smartphone produzieren darf. Eine Ankündigung parallel zur Vorstellung der neuen Nexus-Generation – die Ende des laufenden Monats erfolgen soll – erscheint also wahrscheinlich.

Android Wear

Parallel dazu soll auch Android Wear in China an den Start gehen. Dies war bisher nicht möglich, da Googles Smartwatch-Betriebssystem die Play Services benötigt, die in China bis dato natürlich ebenfalls nicht verfügbar sind.

Update-Anreiz?

Etwas unklar ist eine weitere Passage des Berichts von The Information: Demnach will Google "neue Anreize schaffen, um die Hardwarehersteller dazu zu bringen, ihre Smartphones auf die aktuellste Version des Betriebssystems zu aktualisieren". Konkrete Details dazu, wie dies ablaufen soll, hat man aber nicht. Insofern darf man in dieser Hinsicht durchaus skeptisch bleiben, bisher wurden sämtliche Bestrebungen Googles in diese Richtung von den Hardwareherstellern weitgehend ignoriert. Auch ist nicht ganz klar, ob sich dies nur auf China beziehen soll oder auch auf andere Länder. (Andreas Proschofsky, 6.9.2015)

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