1:0 – Frankreich, wir sind schon fast da

5. September 2015, 22:50
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Österreich gewinnt gegen die Republik Moldau mit 1:0 und ist weiter klarer Tabellenführer. Zlatko Junuzovic erlöst das ÖFB-Team mit dem einzigen Treffer

Wien – Die Russen sind ein Partyschreck. Artem Dzyuba hat mit seinem Tor in der 38. Minute in Moskau gegen die Schweden verhindert, dass die österreichischen Nationalspieler nach dem 1:0 gegen die Republik Moldau sagen konnten: "Hurra, wir sind bei der EM in Frankreich dabei." Dieser Satz ist selbstverständlich nur aufgeschoben, in den restlichen drei Partien der Gruppe G reicht ein lachhaftes Pünktchen zum Ziel. Das kann bereits am Dienstag in Solna gegen Schweden geholt werden. Das 1:0 Russlands hat aber auch einen Vorteil, denn der Gruppensieg ist nun noch wahrscheinlicher, der Vorsprung auf die unverlässlichen Skandinavier beträgt sieben Zähler.

Das Happel-Stadion war am Samstagabend ausverkauft, die Choreographie hübsch, der Radetzky-Marsch unvermeidbar, die Stimmung gut. Die Fußballnationalmannschaft wird vom Volk fast schon seit Jahren mit Liebe überhäuft. Was ein paar Stunden zuvor in Moskau passiert ist, war ziemlich wurscht. Wobei natürlich klar war, dass Marcel Kollers Wunsch ("Wir müssen noch über die Linie treten") nicht erfüllt werden konnte.

In den Startboxen

Watford-Legionär Sebastian Prödl ersetzte in der Innenverteidigung den verletzten Martin Hinteregger, die restlichen zehn der Startformation sind ohnedies gesetzt, Teamchef Koller schätzt Bewährtes. Nach einer Schweigeminute, um auf das Leid der Flüchtlinge hinzuweisen (es war kein Schweigen, sondern tosender Applaus), legte die ÖFB-Elite los. Wie elf Rennpferde, die mit den Hufen in den Startboxen scharren und das Öffnen der Türln herbeigesehnt haben.

Um 20.46 Uhr war es so weit. Anpfiff, ausgeführt vom mazedonischen Aleksandar Stavrev. Moldaus Teamchef Alexandru Curtelan versuchte es mit der mehr oder weniger bewährten Fünfer-Abwehrkette, der Nummer 124 der Weltrangliste ist Größenwahn fremd. Speziell gegen einen Gegner, der die Nummer 13 ist. Aber die Rennpferde kamen nur langsam in den Galopp. Ein Weitschuss von David Alaba war fast gefährlich (12.). Es ging natürlich auch darum, geduldig zu bleiben, die Moldauer zu beschäftigen, damit sie müde und fehleranfällig werden. 16. Minute: Die erste richtig flüssige Aktion, Zlatko Junuzovic wird von Martin Harnik und Marc Janko freigespielt, sein Kopfball fällt zu schwach aus.

Eher glanzlos

30. Minute: Flanke Christian Fuchs, Junuzovic köpfelt neben das Tor. 36. Minute: Der unterbeschäftigte Goalie Robert Almer überbietet den Rekord des legendären Friedl Koncilia, Almer in nun in Pflichtspielen seit 459 Minuten unbezwungen, es wurden bis Schlusspfiff 513. 42. Minute: Einem Tor von Marko Arnautovic wird die Anerkennung verwehrt, zu Unrecht, es war kein Abseits, der Ball ist vom Gegner gekommen. Fazit der ersten Halbzeit: Die überlegenen Österreicher fanden trotz intensiver Bemühungen keine Mittel, die Moldauer Mauer (in manchen Phasen eine Zehner-Kette) zu überwinden.

Nach der Pause wurde die Schlagzahl erhöht. Harnik (46.) und Alaba (49.) vergaben aus aussichtsreichen Positionen. 52. Minute, die Erlösung: Der an sich ganz gute und bisweilen zeitschindende Tormann Ilie Cebanu wehrt einen Schuss Alabas zu kurz ab, Junuzovic trifft via Innenstange zum 1:0, sein sechster Treffer im 41. Länderspiel. Jubel. Somit war die Partie entschieden, denn in der Offensive hat Moldau, abgesehen von der 71. Minute (Milinceanu schießt, Almer hält), nicht stattgefunden. Das zweite Tor ist mehrmals fast gelungen, der knappe Sieg fällt in die Kategorie "eher glanzlos", das ist aber völlig egal. Das Übertreten der Linie und der ersehnte Satz ("Hurra, wir sind bei der EM in Frankreich dabei") werden folgen. (Christian Hackl, 5.9.2015)

Österreich – Republik Moldau 1:0 (0:0). Wien, Ernst-Happel-Stadion, 48.500 (ausverkauft), SR Aleksandar Stavrev (MKD).

Tor: 1:0 (52.) Junuzovic

Österreich: Almer – Klein, Prödl, Dragovic, Fuchs – Baumgartlinger, Alaba (92. Ilsanker) – Harnik (76. Jantscher), Junuzovic, Arnautovic – Janko (84. Okotie)

Republik Moldau: Cebanu – I. Jardan, Golovatenco, Erhan, Armas, – Dedov, Cebotaru (79. Ginsari), Cojocari, Andronic (55. Racu), Patras – Milinceanu (87. Carp)

Gelbe Karten: Prödl bzw. Cebotaru, Cebanu

  • Begeisterung der Rennpferde.
    foto: apa/epa/gruber

    Begeisterung der Rennpferde.

  • Getroffen, gewonnen.
    foto: reuters/ebenbichler

    Getroffen, gewonnen.

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