Kurz sieht Schengen-System in Gefahr

Livebericht5. September 2015, 17:12
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"Derzeit haben wir keine Grenzsicherheit" – Humanitäre Hilfe in der Region soll verstärkt werden

Luxemburg/Wien – Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hat vor einer Gefährdung des grenzkontrollfreien Schengen-Systems wegen der aktuellen Flüchtlingskrise gewarnt. "Ja, natürlich ist eine Gefährdung vorhanden", sagte Kurz am Samstag nach einem EU-Außenministerrat in Luxemburg auf entsprechende Fragen. "Derzeit haben wir keine Grenzsicherheit. So ehrlich muss man sein."

"Unser Schengen-System lebt davon, dass es Grenzsicherheit an den Außengrenzen gibt und dafür innerhalb der Europäischen Union volle Bewegungsfreiheit und offene Grenzen", machte Kurz klar. Er hoffe, dass die EU die Probleme schnell in den Griff bekomme, "bevor wir die Idee eines Europas ohne Grenzen gefährden".

Krisenbewusstsein

Kurz zog ein zumindest teilweise positives Resümee der Sitzung der EU-Außenminister. "Es gibt bei vielen Gott sei Dank endlich das Bewusstsein, dass das eine der größten Krisen ist, die Europa bis jetzt erlebt hat." Auch sei ein Bewusstsein vorhanden, dass kein einzelnes Land die Krise lösen könne. Die EU-Außenminister hätten sich darauf geeinigt, mehr humanitäre Hilfe in den Herkunftsländern zu leisten, um Fluchtgründe zu beseitigen. Konkret soll etwa die Situation in Flüchtlingslagern im Libanon, in Jordanien, Syrien und der Türkei verbessert werden.

Weiterhin gebe es aber keine Einigung über eine faire Verteilung der Flüchtlinge per Quote in Europa , sagteKurz. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass hier viel zu langsam reagiert wird. Wenn man sich anschaut , dass tausende Menschen sich zu Fuß auf den Weg nach Österreich machen, die Bahnverbindung zwischen Wien und Budapest eingestellt ist, dann sollte man doch erkennen, wie dramatisch die Situation ist, in der wir sind", sagte der Außenminister. (APA, 5.9.2015)

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