Wie Schule andernorts funktioniert

6. September 2015, 09:09
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Niederlande: Die Schule entscheidet, wie gelernt wird

Einen Lehrplan gibt es in den Niederlanden nicht. Kein Land innerhalb der OECD lässt seinen Schulen so viel Freiraum: 86 Prozent aller Entscheidungen werden am Standort selbst getroffen, in Österreich sind es 31 Prozent.

Das hat auch große Auswirkungen auf die Lehrinhalte. Der Lehrplan richtet sich nach dem Schwerpunkt der Schule und nicht nach den Vorgaben des Ministeriums. Auch die Schulbücher – und ob es überhaupt welche gibt – wählt jede Schule selbst aus. Der Schule steht frei, wie sie die Lehrinhalte vermittelt. Für die Einstellung der Lehrer ist ebenfalls die Schule verantwortlich.

Diese vielen Freiheiten gehen auf die niederländische Verfassung zurück, die jedem das Recht einräumt, eine Schule zu gründen. Egal, ob öffentlich oder privat: Jede Schule wird vom Staat mit einem Pro-Kopf-Budget finanziert. Standorte, die sozial benachteiligte Schüler aufnehmen, bekommen mehr Geld. So soll die Herausbildung von Eliteschulen vermieden werden. Einige Privatschulen fordern allerdings zusätzlich "freiwillige" Elternbeiträge.

In einem so freien System haben Schulinspektoren eine tragende Rolle. Mindestens alle vier Jahre besuchen sie die Schulen und überprüfen die Qualität. Die Ergebnisse der Tests sind öffentlich. So wissen Eltern im Vorhinein, wie gut die Schule abgeschnitten hat, die ihre Kinder künftig besuchen sollen.

Die niederländischen Schüler werden zudem zentral geprüft. Nach der Volksschule, die bis zum 12. Lebensjahr dauert, legen sie einen Test ab, bei dem Sprach- und Mathematikkenntnisse abgefragt werden. Auch die Reifeprüfung wird zentral vom Bildungsministerium durchgeführt.

Trotz der großen Freiheiten gibt es aber auch in den Niederlanden Einschränkungen. Bis zum zwölften Lebensjahr werden die Schüler gemeinsam unterrichtet, danach gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Schultypen. Die frühe Trennung sorgt für Kritik.

Wer sich einmal für den berufsorientierten Zweig entschieden hat, kann nur schwer in jenen wechseln, der auf die Universität vorbereitet. (Lisa Kogelnik, 5.9.2015)

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