Heilung von Seekrankheit in Sicht

6. September 2015, 17:13
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Wem das leidige "über die Reling Spucken" nur zu gut bekannt ist, der kann vielleicht schon bald aufatmen – eine neue Studie verspricht Abhilfe

London – Drei von zehn Personen kennen diese Symptome: Schwindel, kalter Schweiß und schließlich starke Übelkeit und Erbrechen. Wer das durchlebt und sich dabei noch auf einem Schiff oder einem anderen stark bewegten Gefährt – wie etwa einer Hochschaubahn – befindet, leidet unter Bewegungskrankheit oder Kinetose. Die bekannteste Kinetose ist die Seekrankheit, die nicht nur Reisenden, sondern vor allem auch Menschen, die berufsbedingt viel Zeit auf Schiffen verbringen müssen, sehr zu schaffen macht.

Die genaue Ursache für Bewegungskrankheiten ist bis heute nicht geklärt. Die gängigste Theorie geht davon aus, dass verwirrende Nachrichten der Sinnesorgane auf das Gehirn einwirken: Während die Augen melden, dass man stabil sitzt, weil man zum Beispiel gerade auf die Wand einer Koje im Schiffsbauch schaut, vermeldet das Gleichgewichtsorgan im Ohr eine horizontale und vertikale Beschleunigung, eben die Bewegung des Schiffs.

Ein völlig neuer therapeutischer Ansatz

Die Applikation einer leichten elektrischen Spannung über die Kopfhaut kann die Reaktionen jenes Gehirnareals dämpfen, das für die Verarbeitung von Bewegungssignalen zuständig ist, vermeldet eine im Fachblatt "Neurology" veröffentlichte Studie des Imperial College London. Die divergierenden Sinneseindrücke auf das Gehirn werden reduziert und die Ursache für die Symptome der Bewegungskrankheit somit vermieden.

In den Experimenten trugen Probanden für zehn Minuten Elektroden, die sie einem leichten Stromfluss aussetzten, und mussten danach auf einem motorisierten, rotierenden Stuhl Platz nehmen. Die Versuchsteilnehmer zeigten im Anschluss weniger Tendenz zu Seekrankheit und erholten sich schneller als ohne die Behandlung.

Dieses Verfahren bietet den Wissenschaftern zufolge eine effektive und sichere Heilmöglichkeit. Bis dato sind effektive Medikamente gegen Bewegungskrankheit zwar erhältlich, allerdings mit starken Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Benommenheit verknüpft. Für Menschen, die in ihrer Arbeitszeit betroffen sind, bieten diese Mittel also keine befriedigende Lösung.

"In fünf bis zehn Jahren werden Menschen in eine Apotheke spazieren und sich einen Anti-Seekrankheits-Apparat besorgen können", ist Studienleiter Qadeer Arshad überzeugt. Vielleicht wird die Anwendung sogar in ein Smartphone integriert sein – die erforderliche kleine Dosis Elektrizität könnte über den Kopfhöreranschluss abgeben werden. (red, 6. 9. 2015)

  • Vorerst noch etwas aufwendiger als eine Pille gegen Seekrankheit – aber einer Miniaturisierung des Apparats steht im Prinzip nichts entgegen.
    foto: imperial college london

    Vorerst noch etwas aufwendiger als eine Pille gegen Seekrankheit – aber einer Miniaturisierung des Apparats steht im Prinzip nichts entgegen.

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