Qualitätsvoll in die Ungewissheit

4. September 2015, 17:05
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Die Haydn-Tage starten mit Dirigent Adam Fischer

Eisenstadt – "Haydn macht glücklich!" Wie jedes Jahr beendet Walter Reicher seine kurze Ansprache im Schloss Esterházy zur Eröffnung der Haydn-Tage mit diesem optimistischen Statement. Neben Kulturminister Ostermayer begrüßt der Langzeitintendant der Haydn-Festspiele auch die Vertreter der Gründungsmitglieder, den burgenländischen Landeshauptmann Niessl und den Eisenstädter Bürgermeister Steiner. Und, last, but not least, auch Stefan Ottrubay, den Geschäftsführer der Esterházy-Betriebe.

Zwischen dem Schlossherrn und den Haydn-Festspielen gab es seit Jahren Disharmonien, die Verlängerung des Mietvertrags wollte nicht gelingen. Ein Auszug oder, härter formuliert: Ein Rauswurf der Haydn-Festspiele ab 2017 ist nun fix. Da kann zur Ablenkung ein wenig klingende Aufmunterung nicht schaden. Der musikalische Glücksbringer des Abends ist Adam Fischer. Der freundlich-rastlose Ungar gehört quasi mit zum Inventar der Festspiele, 1987 wurde unter seiner Mitwirkung die Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie gegründet, quasi das Hausorchester.

"Haydn & Schubert" lautet das Motto des diesjährigen Festivals, und mit Haydn und Schubert wird natürlich auch eröffnet, und zwar mit den ersten beiden Symphonien des großen Melodikers aus der Nußdorfer Straße. Schon als 16-Jähriger hat sich Schubert in der Königsdisziplin der weltlichen Instrumentalmusik versucht – mit Erfolg. Seine erste Symphonie D 82 ist ein homogenes Werk, das mit Abwechslungsreichtum und witzigen Details unterhält. Fischer und die Haydn-Philharmonie musizieren beherzt und feinfühlig, nur die vorlauten Trompeten hätte man sich hier unter einen Glassturz gewünscht.

Noch komplexer, packender, wirkungsvoller ist Schubert die 1815 vollendete Zweite geraten: Heftige dramatische Ballungen ereignen sich in den Außensätzen. Aber auch in beiden Binnensätzen geht's zur Sache: Schwergewichtig und rabenschwarz beginnt das Andante, wuchtig das Menuetto.

In Haydns Oxford-Symphonie laufen Adam Fischer und die Philharmonie zur Hochform auf und beglücken mit einer mitreißenden Demonstration des "concertare", des musizierenden Streitens in Dialogform, das zu einem harmonischen Ende findet. Bleibt nur zu hoffen, dass nach dem disharmonischen Ende der Beziehung der Festspiele zum Schlossbetreiber ab 2017 andernorts Qualität gehalten wird und Harmonie einkehrt.

Bis 13. September; unter anderem sind die Akademie für Alte Musik Berlin, das Orchestra of the Age of Enlightenment, Tenor Michael Schade, Thomas Zehetmair und Baiba Skride zu erleben. (Stefan Ender, 5.9.2015)

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