Amazon holt sich 10.000 Saisonarbeiter zum Ersatz von Stammleuten

4. September 2015, 15:19
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Um im Weihnachtsgeschäft gewappnet zu sein – Verdi droht mit weiteren Streiks

Für das Weihnachtsgeschäft verdoppelt Amazon die Belegschaften in seinen Verteilzentren. Die Aushilfen müssen voraussichtlich Lücken schließen, die durch Streik der Stammmannschaft entstehen.

Der Online-Versender Amazon stellt für das Weihnachtsgeschäft rund 10.000 Saisonarbeitskräfte in seinen neun deutschen Verteilzentren ein. Sie sollen die mehr als 11.000 Festangestellten bei der Bewältigung der zum Jahresende stark ansteigenden Bestellungen unterstützen, teilte die deutsche Tochter des US-Unternehmens am Freitag in München mit.

"Wir planen weitere Streiks"

Möglicherweise müssen die Saisonkräfte aber auch Lücken schließen, die durch Streiks verursacht werden. Die Gewerkschaft ver.di erklärte auf Nachfrage, dass der seit mehr als zwei Jahren schwelende Tarifkonflikt keineswegs beendet sei. "Wir planen weitere Streiks", sagte die hessische Verdi-Sekretärin Mechthild Middeke, die für den größten deutschen Amazon-Standort Bad Hersfeld zuständig ist. Hier werden allein 1.100 Saisonarbeiter gesucht.

Die Gewerkschaft hat es allerdings in zahlreichen Streikwellen bisher nicht geschafft, die Versandzentren lahmzulegen. ver.di will eine Bezahlung der Beschäftigten nach dem höheren Handels-Tarif durchsetzen. Amazon sieht sich hingegen als Logistiker, dessen Löhne am oberen Ende dessen lägen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich sei. Ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar. "Solange Amazon mit uns keinen Tarifvertrag abschließt, stehen wir da auf der Matte", sagte Middeke.

Grundlöhne um 2,5 Prozent erhöht

Das Unternehmen hat von sich aus die Grundlöhne um 2,5 Prozent erhöht, wie laut ver.di auf einer Betriebsversammlung in Bad Hersfeld mitgeteilt wurde. Der Einstiegsstundenlohn beträgt demnach rückwirkend zum 1. September 10,49 Euro. Das Unternehmen wollte die Zahl zunächst nicht bestätigen und nennt in seiner Mitteilung den bisher gezahlten Einstiegslohn von 10,23 Euro. Die Gewerkschaft begrüßte die Anhebung. Amazon spüre und reagiere auf den Druck der Proteste.

Laut ver.di hat Amazon im vergangenen Jahr wegen der Streikdrohungen Schichten überbesetzt. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht im Detail äußern. Man werde alles daran setzen, die Lieferversprechen an die Kunden einzuhalten, erklärte eine Sprecherin. Die Saisonkräfte würden alle mit Zeitverträgen direkt bei Amazon eingestellt und erhielten den gleichen Basis-Stundenlohn plus Zulagen und Boni wie die Festangestellten. Leiharbeiter setze man nicht ein. (APA, 4.9. 2015)

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    foto: apa
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