Wenn Investitionen und Gäste ausbleiben

7. September 2015, 09:09
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Vom Glanz vergangener Tage ist nicht mehr viel übrig: Manches Hotel, in dem früher die Reichen urlaubten, schlittert in die Insolvenz. Dafür kann es viele Gründe geben

600 Stühle und Fauteuils, 200 Orientteppiche, die Einrichtung aus 90 Zimmern, Fitnessgeräte, Küchenausstattung und Restbestände an Wein und Champagner: Vergangenen Dezember kam das gesamte Inventar des Grand Hotel Sauerhof unter den Hammer. Es war das bisher letzte Kapitel in der Geschichte des Badener Traditionsbetriebs. Das vorletzte Kapitel: Im Februar 2014 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet und das Hotel geschlossen.

Anderen Traditionsbetrieben ging es in der Vergangenheit ähnlich: Das Panhans am Semmering, in der Fin-de-Siècle-Periode ein mondänes Grandhotel, schlitterte 2012 in die Insolvenz und wurde 2013 an Investoren mit Sitz in der Schweiz verkauft. Im einstigen Nobelkurort Bad Gastein ging erst vor einigen Monaten das Hotel Grüner Baum pleite.

"Melange an Problemen"

Daran ist laut Martin Schaffer vom Beratungsunternehmen MRP Hotels eine "Melange an Problemen" schuld: Vielerorts sei jahrelang nicht investiert worden, woraufhin die Gäste ausblieben. So fehle dann aber wiederum das Geld für immer dringender nötige Investitionen. Auch die Zimmeranzahl sei eine Herausforderung: Das Grand Hotel Sauerhof hatte 60 Zimmer, das Panhans hatte zwar zu seinen Spitzenzeiten vor hundert Jahren unglaubliche 400 Zimmer und zählte zu den größten Hotels Europas – zuletzt wurden aber große Teile davon als Eigentumswohnungen abverkauft. Heute verfügt es nur noch über 113 Zimmer.

Alles unter 120 Zimmern gelte heute als schwierig für institutionelle Betreiber, sagt Schaffer. Hotels müssten also ihre Kapazitäten vergrößern oder ein Betriebskonzept finden, das sich mit weniger Zimmern auszahlt. Wer sich neuen Standards anpasst, der wird außerdem noch einmal Zimmer verlieren, weil zwar früher die Gänge breiter angelegt wurden, die Zimmer dafür kleiner.

Baden im "Strudel nach unten"

Als ein weiteres Problem sieht Schaffer die Destinationen selbst: Baden beispielsweise habe eine "stagnierende touristische Entwicklung" – und der "Strudel nach unten" habe schon vor Jahrzehnten begonnen: "Ein einzelnes Hotel kann sich dagegen nicht wehren." Langsam würden die Orte aber beginnen, sich wieder zurück in den Markt zu kämpfen – dafür müssten sie sich aber als Ganzjahresdestination etablieren, so Schaffer.

Kreative Ansätze fänden sich beispielsweise in der Bad Gasteiner Hotellerie: Das in die Jahre gekommene Hotel Regina wurde vor einigen Jahren vom Hamburger Olaf Krohne gekauft und mittels sanften Refurbishments und relativ geringer Mittel zur regelrechten Hipster-Destination gemacht.

Investoren springen ab

Auch ausländische Investoren interessieren sich laut Schaffer für Traditionsobjekte: "Investoren aus Russland, der Ukraine und dem Nahen Osten lieben das." Oft würden diese Investoren dann aber wieder abspringen, weil sich die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs nicht darstellen lässt. Auch beim Sauerhof in Baden soll es Verhandlungen mit Russen gegeben haben. Zuletzt stand jedoch gar eine Auktion des Hotels im Raum, das Mindestgebot werde zwischen zwei und 2,5 Millionen Euro liegen, hieß es in Medienberichten. Zu den Gerüchten will sich jedoch weder die Stadt Baden noch der Hauptgläubiger, die Erste Bank, äußern, die auf das Bankgeheimnis verweist.

Die Zukunft von heute eher verschlafen wirkenden Orten wie Bad Gastein oder dem Semmering sieht Schaffer durchaus optimistisch: "Ich glaube, diese Destinationen werden wiederkommen." Ob das auch für das Grand Hotel Sauerhof gilt, wird sich noch zeigen. (Franziska Zoidl, 5.9.2015)

  • Das ehemalige Grand Hotel Sauerhof in Baden bei Wien dürfte demnächst versteigert werden. Das Inventar kam schon im vergangenen Dezember unter den Hammer.
    foto: picturedesk / rainer hackenberg

    Das ehemalige Grand Hotel Sauerhof in Baden bei Wien dürfte demnächst versteigert werden. Das Inventar kam schon im vergangenen Dezember unter den Hammer.

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