Stress und Ablenkung steigern Schmerztoleranz

4. September 2015, 11:07
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Wer unter Stress steht oder abgelenkt wird, spürt weniger Schmerzen – zu diesem Ergebnis kommt eine deutsche Studie

Wien – Für die Studie hat ein Forschungsteam des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim das Schmerzempfinden von 17 gesunden Testpersonen erhoben.

Die Studienteilnehmer wurden mit komplizierten Kopfrechnungen in einen Stresszustand gebracht oder mit einer Suchaufgabe geistig abgelenkt. Vor und nach den Aufgaben wurde gemessen, ab wann die Probanden einen Reiz als schmerzhaft empfanden und ab welchem Zeitpunkt sie ihn nicht mehr tolerieren wollten. Zusätzlich wurde eine Magnetresonanztomografie durchgeführt, während die Probanden schmerzhaften Reizen ausgesetzt waren. Herzfrequenz und Blutdruck wurden überwacht sowie eine Stress-Bewertung der Testpersonen eingeholt.

Wie Studienautorin Pia Schneider berichtet, empfanden die Testpersonen das Kopfrechnen im Gegensatz zur Suchaufgabe als unangenehm und "stressig": "Die erste Aufgabe hat eine deutlich höhere physiologische Reagibilität hervorgerufen als die zweite. Trotzdem bewirkten beide Aufgaben gleichermaßen eine höhere Schmerzschwelle und Schmerztoleranz", sagt die Wissenschafterin.

Gute Schmerztherapie – Kurzer Klinikaufenthalt

Eine gute Schmerztherapie dürfte außerdem den Spitalsaufenhalt verkürzen: Zumindest konnten Patienten – laut einer dänischen Studie an der Universitätsklinik in Aarhus – nach orthopädischen Eingriffen im Mittel um einen Tag früher aus dem Spital entlassen werden.

"Mithilfe einer neuen multimodalen Schmerzmittelmedikation hat sich die Dauer des Klinikaufenthalts der Betroffenen um rund 27 Prozent verkürzt. Konkret ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Spital von 3,18 auf 2,32 Tage gesunken", erklärt die Studienautorin Jytte Möller beim Europäischen Schmerzkongress in Wien.

Für die Begleitstudie hat die Universitätsklinik Aarhus die Aufenthaltsdauer der Patienten in der orthopädischen Abteilung je 28 Monate vor und nach der Einführung der neuen präoperativen Medikation ausgewertet und verglichen. Während des gesamten Zeitraumes wurden 5.717 Erwachsene behandelt, 2.732 vor und 2.986 nach der neuen Therapieoption.

Für die neue analgetische Kombination von Medikamenten vor der Operation wählten die Forscher Medikamente aus, deren Einsatz und Wirksamkeit durch Studien gut dokumentiert bzw. nachgewiesen ist: Paracetamol, Celecoxib, ein Cortisonpräparat und ein Prä-OP-Drink unmittelbar vor dem Eingriff. (APA, 4.9.2015)

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