Neuer Chrome: Schlanker, schneller, ausdauernder

4. September 2015, 10:28
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Chrome 45 bringt Bremse für Flash-Inhalte und Aus für alte Plugins – Customs Tabs für Android

Google verpasst seinem Browser eine Schlankheitskur: Mit dem vor kurzem veröffentlichten Chrome 45 soll die Software sowohl weniger Speicher als auch Akku verbrauchen – und dabei noch flotter werden.

Aufgeräumt

In einem Blogeintrag führt Google die einzelnen Maßnahme aus, die zu diesem Ergebnis geführt haben. So räumt der Browser nun deutlich aggressiver als bisher den ungenutzten Speicher auf. In Folge sollen Webseiten im Schnitt rund 10 Prozent weniger Speicher verbrauchen als bisher. Bei besonders komplexen Seiten, soll sich dieser Effekt noch wesentlich stärker zeigen, so benötige Gmail nun etwa knapp ein Viertel weniger RAM.

ryan schoen

Flash pausiert automatisch

Auf den Akkuverbrauch soll sich hingegen eine andere Maßnahme positiv auswirken. "Weniger wichtige" Flash-Inhalte werden nun nur mehr einmal abgespielt und danach pausiert. Alleine durch diese Maßnahme soll die Akkulaufzeit eines Laptops – je nach Betriebssystem um bis zu 15 Prozent verlängert werden. Wie man entscheidet, was wichtig und was weniger wichtig ist, lässt Google offen. Klar scheint aber, dass vor allem Werbung von dieser Maßnahme betroffen ist.

Die Reihenfolge macht einen Unterschied

Eine weitere Performance-relevante Änderung gibt es beim Neustart des Browsers: Die Tabs werden dabei nun in der Reihenfolge der letzten Nutzung wieder hergestellt, womit die Chance steigt, dass die wichtigsten Seiten flotter als bisher zur Verfügung stehen.

Ausblick

Für kommende Versionen experimentiert Google noch mit weiteren Maßnahmen, um den Ressourcenbedarf zu reduzieren. So lässt sich in aktuellen Testversionen des Browsers für Windows und Mac eine Funktion aktivieren, über die unbenutzte Tabs automatisch beendet werden, wenn der Speicher des Systems knapp wird. Kehren die Nutzer später zum betreffenden Tab zurück, wird dieser automatisch neu geladen.

Scrolling

Mit Chrome 45 bringt der Browser zudem erhebliche Performance-Verbesserungen für Toucheingaben. Der Browser-eigene Schedulers wird nun auch genutzt, um Javascript-Timer zu reihen. Dies soll sich nicht zuletzt beim Scrolling auf komplexen Seiten unter Android bemerkbar machen, wie man mit einem Video demonstriert.

google chrome developers

Chrome Custom Tabs

Apropos Android: Mit Chrome 45 hält hier nämlich ein für Entwickler interessantes, neues Feature Einzug, das Google erstmals vor einigen Wochen auf seiner Entwicklerkonferenz I/O vorgezeigt hatte. Über die Chrome Custom Tabs können Entwickler Web-Ansichten in ihre eigenen Apps integrieren. Das klappt zwar schon jetzt über ein Webview, die Custom Tabs bieten im Vergleich aber gewisse Vorteil. So werden sämtliche Cookies von Chrome übernommen, wodurch sich die Nutzer auf besuchten Seiten nicht noch einmal neu einloggen müssen. Zudem kann ein Custom Tab das Pre-Loading von Chrome nutzen, wovon die Ladezeiten der aufgerufenen Seiten profitieren.

App-Support

Einige Apps haben bereits damit begonnen, Custom Tabs zu integrieren, etwa der Newsreader Feedly. In den kommenden Wochen sollen weitere – darunter Twitter und Tumblr – folgen.

grafik: google
Die Chrome Custom Tabs sollen nicht zuletzt schneller als ein Webview sein.

Aus für NPAPI

Zu all dem kommen noch Aufräumarbeiten am Browser: Mit Chrome 45 wird der alte Plugin-Support über die NPAPI-Schnittstelle vollständig entfernt. Damit besiegelt Google das Schicksal von Dritt-Plugins wie Silverlight oder Java im eigenen Browser. Zuletzt konnten die Nutzer diesen Support noch über eine versteckte Einstellung wieder herstellen. Flash ist von dieser Maßnahme nicht betroffen, da Google hierfür ein eigenes, internes und besser abgesichertes Plugin benutzt.

Sicherheit

Zu all dem bringt Chrome 45 noch den üblichen Schwall an Bugfixes. In diesem Zuge wurden auch wieder 29 Sicherheitsprobleme bereinigt, wobei dieses Mal aber keine "kritische" Lücke enthalten ist. Die neue Version wird automatisch an bestehende Nutzer ausgeliefert. (apo, 4.9.2015)

  • Artikelbild
    foto: andreas proschofsky / standard
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