Smartphonemarkt: Huawei und Xiaomi setzten Samsung unter Druck

4. September 2015, 10:02
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Samsung stellt auf der IFA keine Weltneuheit vor

Wendige Konkurrenten aus China, nachlassendes Wachstum und immer wieder Apple – Smartphone-Marktführer Samsung steht unter Druck. Entgegen sonstiger Marnier präsentieren die Südkoreaner auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin auch kein neues Modell – das allerdings wohl allein aus Zeitgründen: Unter dem Eindruck von Apple hatte Samsung die Vorstellung einer größeren Version seines Luxus-Smartphones Galaxy S6 Edge auf Mitte August in New York vorgezogen. Da der US-Rivale wohl bereits kommende Woche ein neues iPhone auf den Markt bringt, wollten die Südkoreaner die Gelegenheit bis dahin nutzen, ohne direkte Konkurrenz eines neuen Apple-Geräts möglichst viele Kunden anzulocken.

"Die größeren iPhones 6 und 6 Plus haben nach Meinung vieler das Haupt-Kaufargument von Android-Geräten gegenüber dem iPhone ausgehebelt. Durch Apples Erfolgsbilanz bei Hard- und Software verfügt es über sehr loyale Kunden, um die der Konzern von der Konkurrenz sehr beneidet wird", erklärt der Mobilfunk-Analyst Daniel Gleeson vom Marktbeobachter IHS, warum Apple nun wieder mehr Druck auf Samsung ausübt.

Weiterhin Marktführer

Zwar hatte Samsung bei der Gesamtzahl der verkauften Smartphones mit rund 81 Millionen Stück im ersten Quartal und einem Marktanteil von etwa 24 Prozent die Nase vorn. Apple kam auf rund 60 Millionen iPhones und damit knapp 18 Prozent. Während dies aber für den US-Konzern ein deutliches Plus bedeutete, war es für Samsung ein Rückgang, Zugleich entwickelten sich chinesische Konkurrenten wie Lenovo mit Motorola-Handys sowie Huawei und Xiaomi dynamischer. "Wir haben deutlich mehr in Forschung und Entwicklung investiert als Samsung, dafür weniger in Werbung. Jetzt ist es an der Zeit, unsere Innovationen zu zeigen", sagte Huawei-Managerin Glory Zhang anlässlich der Präsentation des neuen Luxus-Smartphones Mate S. Huawei hat sich nach eigenen Angaben bereits zum drittgrößten Smartphone-Anbieter weltweit gemausert. Die Chinesen waren lange vor allem im Billigsektor aktiv, drängen nun aber mit neuen Modellen auch in den Luxusbereich.

Maues Wachstum

Smartphones sorgen trotz nachlassenden Wachstums weiter für pralle Kassen bei den größten Anbietern. Allein in Deutschland soll laut Branchenverband Bitkom in diesem Jahr mit 25,56 Millionen verkauften Geräten und einem Umsatzwachstum von 7,3 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro ein Verkaufsrekord aufgestellt werden. Die Gartner-Marktforscher rechnen beim weltweiten Handy-Absatz allerdings nur noch mit einem Plus von rund drei Prozent.

Im Vergleich zu den Hochzeiten mit zweistelligem Wachstum ist das mau. Viele Märkte gelten als gesättigt, neben den großen Industrieländern nun auch der weltgrößte Smartphone-Markt China. Daher schauen sich die heimischen Anbieter verstärkt im Ausland um. Und Samsung Europa-Chef YH Eom betonte angesichts der hungrigen Konkurrenz im Vorfeld der IFA, dass sein Konzern sich nicht auf früheren Erfolgen ausruhe, sondern stets die Zukunft im Blick habe. Um die Marktführerschaft zu halten, werde kräftig investiert.

Gefüllten Kassen

Gleeson ist der Meinung, dass Samsung im Wettbewerb mit den Chinesen und Apple einiges in die Hände spielt. Dazu gehört, dass der Konzern eben nicht nur Computer, Tablets, Computeruhren und Smartphones vertreibt. "Zum einen ist da das hauseigene Bildschirm-Geschäft, die schiere Größe des Konzerns und die sich daraus ergebenen Kostenvorteile sowie die voll gefüllten Kassen. Durch die Bildschirm-Sparte ist Samsung führend bei gebogenen Bildschirmen und sollte auch weiterhin bei Neuentwicklungen früh dran sein. Zudem kann Samsung ein schlechteres Jahr gut verkraften und trotzdem die hohen Marketingausgaben beibehalten", sagte der IHS-Analyst. Da Smartphones nun Massenware seien, werde dies immer wichtiger.

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IFA

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    foto: apa
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