Rahmenbedingungen setzen Börse Wien zu

8. September 2015, 11:15
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Besorgt um den Kapitalmarkt fordert das Aktienforum verbesserte Rahmenbedingungen, um den Schwund an notierten Unternehmen zu stoppen

Als "Warnsignal" betrachtet das Aktienforum die geplanten Abgänge der Industrieunternehmen BWT und Miba von der Wiener Börse. Zwar handelt es sich dabei um Titel aus der zweiten Reihe des österreichischen Aktienmarkts, weshalb Robert Ottel, Präsident des Aktienforums, darin noch "kein Drama" sieht. "Wenn auch noch ein paar Große abwandern, dann wäre das eine Katastrophe für den Kapitalmarkt."

Aus der Begründung der Börsenabgänge, wonach der Aufwand im Verhältnis zum Nutzen zu groß sei, schließt Ottel: "Der Kapitalmarkt ist offensichtlich unattraktiver geworden." Als Ursache ortet er einen Trend zu überschießender Regulierung in Österreich. Dadurch soll seiner Ansicht nach das Risiko für künftige Krisen reduziert werden, worauf Ottel entgegnet, dass die Verwerfungen der Finanzkrise ab 2008 durch hochkomplexe Finanzprodukte ausgelöst worden seien und nicht durch Standardwertpapiere wie Aktien oder Anleihen.

Überschießende Regulierung

"Wir sind ein bankendominiertes Land, der Kapitalmarkt hat in Österreich keinen guten Ruf", räumt Ottel ein, hofft aber, dass der Trend zu "überschießender Regulierung" gebrochen werden kann, um den Aufwand einer Börsennotiz für Unternehmen nicht weiter zu erhöhen. Seiner Ansicht nach sind diese bei der Finanzierung auf einen funktionierenden Kapitalmarkt angewiesen. Im Vorjahr wurden an der Wiener Börse rund vier Milliarden Euro an Eigenkapital durch die Ausgabe junger Aktien und 7,2 Milliarden an Fremdkapital über Anleihenplatzierungen aufgenommen.

Während große Emittenten trotz gewisser Nachteile wie einer geringeren öffentlichen Wahrnehmung auch auf ausländische Börsen ausweichen könnten, ist dieser Weg vom unternehmerischen Mittelbau laut Ottel kaum zu beschreiten. "Die machen das Gros unserer Wirtschaft aus", gibt er zu bedenken und verweist auf eine Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts, wonach mehr als ein Zehntel der österreichischen Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt auf die 90 börsennotierten Unternehmen zurückzuführen sind.

Demnach liegt der Produktionswert der Publikumsgesellschaften bei insgesamt 74,2 Milliarden Euro, das entspricht einem Anteil von 12,3 Prozent der Gesamtleistung Österreichs. Erfasst wurden in der vom Aktienforum in Auftrag gegebenen Studie dabei auch Vorleistungen, die durch die Nachfrage von börsennotierten Unternehmen ausgelöst wurden, sowie der Konsum, der durch die Beschäftigung angestoßen wird. Auch die Öffentlichkeit profitiert von Steuern und Abgaben in der Höhe von 4,9 Milliarden Euro sowie von Sozialbeiträgen in der Höhe von weiteren fünf Milliarden, die durch die börsennotierten Unternehmen direkt oder indirekt ausgelöst werden.

Mehr Abgänge als Neulinge

Verglichen mit der auf Daten aus dem Jahr 2012 basierenden Vorgängerstudie sind durchwegs Rückgänge dieser Werte festzustellen, was hauptsächlich auf den Schwund an Emittenten zurückzuführen ist. Seither haben elf Unternehmen den Absprung vom Börsenparkett vollzogen, während bloß FACC und die aus der Immofinanz ausgegliederte Buwog dazugekommen sind.

Dem heimischen Börsenbetreiber gibt Ottel, hauptberuflich Voest-Finanzvorstand, an dieser Entwicklung keine Schuld: "Die Wiener Börse kämpft mit denselben Rahmenbedingungen wie die Emittenten, da herrscht Interessengleichheit." Vielmehr sieht er die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Etwa durch Aufklärung: "Langfristig ist wichtig, das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Kapitalmarkts in Österreich stärker zu verankern." (Alexander Hahn, 4.9.2015)

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