Finanzwirtschaft als langatmiges Abenteuer

9. September 2015, 16:55
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Für Bill Gates das beste Wirtschaftsbuch: Über frühen Insiderhandel oder die Automarke Edsel als Beispiel einer misslungenen Werbestrategie

Dieses Buch versammelt Geschichten, die der Schriftsteller und Journalist John Brooks in den 60er-Jahren in der Zeitschrift New Yorker veröffentlicht hat. Allesamt sind es handwerklich-journalistisch ausgezeichnet aufbereitete und geschriebene Storys. Allerdings haben sie den Nachteil, dass sie aus heutigem Verständnis langatmig und zu detailgenau sind. Bill Gates soll jedenfalls zu diesem Buch, das nun auch in deutscher Sprache vorliegt, gesagt haben, dass es das beste Wirtschaftsbuch sei, das er jemals gelesen habe. Diese angebliche Aussage aus dem Mund eines der erfolgreichsten Männer der USA wirkt übertrieben – obwohl es wirklich ein gutes Buch ist.

Das Besondere sind die Themen, mit denen sich Brooks akribisch beschäftigt haben muss, bevor er die Geschichten schreiben konnte: Da wird in "Eine angemessene Zeitspanne" berichtet, wie es zu den in den USA strengen Regeln gegen Insider-Aktienhandel kam. Beziehungsweise wie es dazu kam, dass diese Vorschriften auch eingehalten werden mussten. Denn das Nutzen von solchen Informationen war sehr lange ein Kavaliersdelikt.

Es war dies ein Vergehen, das augenzwinkernd in Kauf genommen wurde – besonders bei denen, die nahe der Informationsquelle saßen: Aufsichtsräte, leitende Mitarbeiter, Broker und die vielen Verwandten und Freunde, die auch was von einem Wissensvorsprung haben sollten.

Das Verschweigen aktienkursrelevanter Tatsachen war schon seit Anfang der 1940er-Jahre ein Delikt, das jedoch nicht geahndet wurde. Brooks zeichnet den weitreichenden und lange dauernden Informationskreislauf nach, der sich in den 1960er-Jahren rund um das Auffinden eines großen Kupfervorkommens im Norden Kanadas abspielte. Die Ereignisse brachten es mit sich, dass die SEC, die U.S. Securities and Exchange Commission, eine bis dahin laxe Behörde, erstmals eingriff.

Vom ersten Bohrloch mit seinen vielversprechenden Ergebnissen bis zur Bekanntgabe des riesigen Fundes an die Öffentlichkeit wurde von der SEC akribisch nachgegangen, wann wer was wusste. Und vor allem, wie lange die "angemessene Zeitspanne" war, bei der eine involvierte Person ihr Wissen für sich behalten konnte – und damit eventuell vom niedrigen Aktienkurs der Texas Gulf profitierte.

Eine weitere, amüsante Geschichte beschreibt "Das Schicksal des Edsel". Es ist dies der Name einer Automobilmarke von Ford Motor. Das 1957 eingeführte Modell ist bis heute beispielhaft für eine misslungene Werbestrategie. Der sehr amerikanische Edsel war zur falschen Zeit am Markt: Er war groß und ausladend; die Konsumenten begannen jedoch auf Kleinwagen umzuschwenken. Die Ford-Macher wollten das nicht wahrhaben und setzten Millionen in den Sand. (Johanna Ruzicka, 4.9.2015)

  • John Brooks, "Business Adventures. Zwölf lehrreiche Geschichten aus der Welt der Wall Street". € 27,70 / 473 Seiten. Börsenbuch-Verlag, Kulmbach 2015

    John Brooks, "Business Adventures. Zwölf lehrreiche Geschichten aus der Welt der Wall Street". € 27,70 / 473 Seiten. Börsenbuch-Verlag, Kulmbach 2015

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