Japan will nicht mehr frauenfeindlich sein

4. September 2015, 05:30
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Weltfrauenkonferenz in Tokio soll weltweite Impulse liefern

Insgesamt 200.000 Koreanerinnen sollen es gewesen sein, die von japanischen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs missbraucht wurden. Systematisch. Als "Trostfrauen" wurden sie in Unterkünften von Japans Armee festgehalten, nachdem sie mit falschen Versprechungen aus ihren Dörfern gelockt worden waren. Eine Entschuldigung des offiziellen Japan hat es bis dato noch nicht gegeben – nur das Angebot eines Entschuldigungsbriefes aus dem Jahr 1993. Premier Shinzo Abe macht keine Anstalten, das zu ändern.

Ausgerechnet in diesem Japan fand heuer und im vergangenen Jahr die Weltkonferenz der Frauen statt. Just in dem Land, das im globalen Ranking der Frauengleichstellung auf Platz 104 von 142 Ländern steht, fand vor wenigen Tagen die Konferenz unter dem heurigen Motto "Eine Welt erschaffen, in der Frauen leuchten" statt. 150 Frauen, aber auch einige Männer waren dazu aus 40 Staaten in die Hauptstadt Tokio gereist.

Dabei war Premier Abe sehr bemüht, der Welt den Eindruck eines frauenfreundlichen Japan zu vermitteln; und er hat wohl erkannt, dass es angesichts der negativen Bevölkerungsentwicklung notwendig ist, die Frauen ins Wirtschaftsleben zu integrieren. Gleichzeitig sind es aber vor allem Mitglieder seiner Partei, die in regionalen Parlamenten Frauen beschimpfen, weil sie ledig sind oder keine Kinder haben.

Abe ließ es sich nicht nehmen, die Eröffnungsrede des Kongresses zu halten, in der er vor allem die Anstrengungen seiner Regierung in Bezug auf die Frauenbeschäftigung herausstellte. So hat seine Regierung pünktlich zum Kongressbeginn ein Gesetz zur Erhöhung der Zahl der Managerinnen in Firmen verabschiedet. Leider basiert das Gesetz aber nur auf einer Selbstverpflichtung der Firmen. Trotzdem hofft die Regierung, damit die Zahl der Managerinnen von elf auf 30 Prozent erhöhen zu können. Abe selbst ging mit gutem Beispiel voran und holte gleich vier Ministerinnen in sein Kabinett.

Ungläubiges Staunen

Dass die japanische Gesellschaft selbst noch nicht so weit ist, zeigte das ungläubige Staunen des Podiums bei einem der Diskussionskreise der Konferenz. Das Thema: Wie können Männer in der Familie und im Betrieb zur Gleichstellung der Frauen beitragen. Aufsehen erregten dabei die Rede und Beiträge des Schweden Fredrik Hillelson, der eine Beratungsfirma betreibt. Schon, dass er vier Kinder hat, erregte Aufsehen, mehr aber noch die Tatsache, dass er bei jeder Geburt dabei war. Es sei wichtig als Familie zusammen aus dem Krankenhaus nach Hause zurückzukehren.

Sein Bild einer geeinten Familie ist den Japanern doch sehr fremd, auch wenn viele Männer heute viel mehr zu Familienmenschen und Vätern geworden sind, als deren Väter das damals waren. Noch ungläubiger aber reagierte das Publikum, als er sagte, Schweden wolle die Geburtsrate von 1,9 auf 2,1 Kinder erhöhen, und zwar indem die Männer zu mehr Vaterschaftsurlaub angehalten würden, während die Frauen mehr arbeiten sollten. Hillelson begründete diese Politik mit der französischen und schwedischen Erfahrung der Vergangenheit, wonach die Integration der Frauen ins Arbeitsleben, die Geburtsrate steigen ließ.

In gewisser Weise sind das aber die Frauenprobleme der reichen Gesellschaften. Die Frau des afghanischen Präsidenten erzählte von den viel zu langen Schulwegen für afghanische Mädchen und dem Fehlen von Extratoiletten. Für die muslimischen Mütter sind das Gründe, ihre Töchter nicht zur Schule zu schicken. Auch in Kenia sind die fehlenden Schultoiletten für Mädchen ein großes Problem, weil es dort zu vielen Vergewaltigungen kommt und die Gefahr in Gemeinschaftstoiletten höher ist, dass es zu einem Verbrechen kommt. (Siegfried Knittel aus Tokio, 4.9.2015)

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