Neue Wege im Tennissport: Interviews am Platz

3. September 2015, 14:45
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Melzer dafür: "Sport wird attraktiver gemacht" – Nur freiwillige Interviews – Gemischte Reaktionen

New York – Es soll keine Revolution werden, aber in der immer schneller werdenden Informationsgier der Medien und Fans möchte man nun auch im Tennis einen Gang zulegen: Der US-TV-Sender ESPN, der über die Übertragungsrechte bei den US Open in New York verfügt, versucht mit Spieler-Interviews während des Matches zwischen den Sätzen noch näher an das Geschehen heranzukommen.

Im Spiel von Coco Vandeweghe gegen ihre US-Landsfrau Sloane Stephens gab es die Premiere. Interviews werden vorher abgesprochen und basieren auf Freiwilligkeit. In diversen Gesprächen, die die ESPN-Reporterinnen und früheren Tennis-Stars Chris Evert und Pam Shriver mit den Spielern geführt haben, gibt es gemischte Reaktionen. "Hoffentlich machen die das nicht verpflichtend", sagte etwa die Weltranglisten-Erste Serena Williams. Ihr Pendant bei den Herren, Novak Djokovic, war etwas diplomatischer: "Ich werde es definitiv nicht bei diesem Turnier machen, aber wer weiß, was die Zukunft bringt."

Selbst wenn ein Spieler am Vorabend zugesagt hat, kann er in der Hitze des Gefechts das Interview auch kurzfristig ablehnen, versicherte ESPN. "Wir suchen nicht nach einer Revolution, sondern nach einer Entwicklung", erklärte ein Sprecher des Senders. Technisch möglich ist es beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres heuer nur auf vier Courts, dem Arthur Ashe Stadium, dem Louis Armstrong Stadium, dem Grand Stand und auf Court 17.

Es gäbe immer vor dem Spiel die Einladung an beide Spieler. Ob Fragen wie: "Worüber waren sie im ersten Satz am meisten glücklich?" oder "Was müssen Sie tun, um den Sieg im zweiten Satz zu sichern?" das Gelbe vom Ei sind, sei jedoch dahingestellt. Caroline Wozniacki, die auf Twitter und Facebook besonders aktiv ist, reagierte in den sozialen Medien fast sofort: "Habe ich gerade gesehen, dass Coco mitten im Match ein Interview gegeben hat? Man will sich doch sicher auf das Match da draußen konzentrieren, oder?"

Ob sich das Novum im Tennis, wenn vorerst vielleicht auch nur im besonders neuerungsgierigen US-Medien-Markt, so leicht durchsetzen lässt wie in US-Profiligen wie der NBA, ist fraglich. Österreichs "Altstar" Jürgen Melzer zeigt sich im Gegensatz zu Aufsteiger Dominic Thiem offen für diese Interviews. "Ich finde es gut. Ich glaube, dass durch solche Sachen der Tennis-Sport noch ein bisschen attraktiver gemacht wird. Dass muss sich halt einleben: Wenn das für die nächste Generation normal ist, dann ist es einfach so."

Gut findet Melzer, dass man das Ganze im letzten Moment auch noch abblasen kann. Denn es wäre nicht gut, "wenn du so einen Hals hast und dann die falsche Frage kriegst und explodierst". Thiem ist diesbezüglich konservativer: "Es wird einen nicht rausbringen, aber ich finde es irgendwie ein bisserl respektlos dem Gegner gegenüber, wenn man führt und ein Interview gibt. Ich finde, man sollte es so belassen."

Einig sind sich Melzer und Thiem hingegen, betreffend einer der vielen möglichen Regelneuerungen in der Zukunft. "Ich bin für eine Shot Clock zwischen den Ballwechseln", sagte Melzer, und Thiem stimmt ihm zu: "Das würde ich auch extrem super finden. Die meisten brauchen doch länger als erlaubt ist." Die Countdown-Uhr, die zum Beispiel im Basketball verwendet wird, würde oft viel zu lange und nicht geahndete Pausen verhindern. (APA, 3.9.2015)

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