Mate S im Hands-on: Huawei will das iPhone schlagen

14. September 2015, 17:00
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Der chinesische Hersteller verpasst seinem neuen Android-Smartphone sehr viele Features

Huawei hat die diesjährige IFA in Berlin genutzt, um sein neues Android-Flaggschiff zu präsentieren. Mit dem Mate S will man ein "Luxus-Smartphone mit revolutionärer Touch-Technologie" entwickelt haben, hieß es vollmundig bei der Ankündigung. Das erklärte Ziel des chinesischen Herstellers: das iPhone 6 Plus schlagen.

So gab es bei der Vorstellung in der Berliner Max-Schmeling-Halle viele direkte Vergleiche und Seitenhiebe auf Apples Vorjahresmodell. Ein passender Ort, wurde die Halle doch ursprünglich für Boxkämpfe erbaut. Der WebStandard konnte sich einen ersten Eindruck des neuen Modells verschaffen.

foto: standard/riegler
Nur ein schmaler Rand um das Display – trotz 5,5 Zoll großem Screen wirkt das Huawei Mate S nicht zu groß.

Fast nur mehr Display

Worauf Huawei besonders Stolz ist und bei der Präsentation mehrmals darauf hinwies: das Mate S bietet zwar wie das iPhone 6 Plus ein 5,5 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel. Um den Screen herum ist das Rand aber um einiges schmäler. Das führt dazu, dass das Mate S auf Abmessungen von 75,3 x 149,9 kommt – das iPhone 6 Plus aber auf 77,8 x 158,1 mm. Ein merkbarer Unterschied. In der Tiefe unterscheiden sich die Geräte kaum – sie liegt bei 7,1 bzw. 7,2 mm. Das Mate S wirkt nicht so wuchtig wie manche andere Geräte mit dieser Bildschirmdiagonale.

foto: standard/riegler
Das Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt.
foto: standard/riegler
Unter der Kamera ist der Fingeradrucksensor untergebracht, mit dem sich mehrere Aktionen durchführen lassen.

Generell ist dem chinesischen Hersteller ein elegantes Design gelungen. Das Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt – in den Farben "Titanium Grey" und "Mystic Champagne". Das Gerät wirkt gut verarbeitet, nur an der Rückseite lässt es sich leicht eindrücken. Laut dem Hersteller ist es auch wasserabweisend. Ob das nur für Spitzwasser – also etwa Regen gilt – oder auch beim Untertauchen, war vorerst nicht ganz klar. Ein weiterer Seitenhieb auf Apple, den sich Huawei bei der Vorstellung nicht nehmen ließ: die Antennen auf der Rückseite haben beim Mate S eine ähnliche Farbe wie das Gehäuse. Beim iPhone 6 heben sie sich stärker ab.

(Zu) viele Möglichkeiten

An der Rückseite ist unter der Kamera ein Fingerabdruckscanner integriert. Damit lässt sich das Gerät einerseits entsperren – was im Hands-on flott und meist fehlerfrei funktionierte. Andererseits kann man damit auch die Kamera bedienen – praktisch für Selfies – und darüber hinaus Anrufe annehmen, den Alarm stoppen, Nachrichten lesen und Fotos durchsuchen.

Daneben hat Huawei noch weitere Bedienungsmöglichkeiten integriert. So unterstützt das Display "Force Touch"-Technologie – auch hier orientiert man sich an Apple, das "Force Touch" zuvor bei seiner Watch umgesetzt und auch in das iPhone 6s implementiert hat. Wer etwa auf einem Foto fester aufdrückt kann mittels "Force Touch" zoomen. Bei der Präsentation zeigte der Hersteller, wie mit dem Gerät eine Orange gewogen werden kann. Im Test hat das allerdings nicht funktioniert. Offenbar gibt es die Funktion nicht auf allen Länderversionen des Smartphones.

foto: standard/riegler
Mit dem Fingerknöchel können beliebige Motive aus Fotos ausgeschnitten werden.

Des weiteren hat Huawei seine "Knuckle Touch"-Technologie erweitert. Nutzer können gewisse Aktionen ausführen, indem sie mit den Fingerknöcheln am Display zeichnen. Zieht man etwa ein "M" startet die Musikanwendung, bei einem "C" öffnet sich die Kamera usw. Die Eingaben können auch personalisiert werden. Im Test erkannte das Gerät die meisten, jedoch nicht alle Knöcheleingaben. Durchaus praktisch: aus Fotos kann man beliebige Motive ausschneiden, indem man die gewünschte Umrandung mit dem Knöchel nachzieht. Durch doppeltes Anklopfen am Display kann das Gerät auch geweckt werden.

foto: standard/riegler
Über Android 5.1.1 legt Huawei seine eigene Oberfläche.

Die Benutzeroberfläche von Android 5.1.1 hat Huawei wieder angepasst. Es kommt die eigene Oberfläche EMUI 3.1 zum Einsatz und mehrere zusätzliche Apps und Spiele sind vorinstalliert. Einzelne Apps bieten weitere Zusatzfunktionen – die 8-Megapixel-Frontkamera etwa "verschönert" Selfies mit heftigem Weichzeichner und "Gesichtsverschlankung". Die 13-Megapixel-Hauptkamera bietet zusätzliche Filter.

Fazit

Huawei scheint bei der Aufrüstung kein Halten zu kennen. Generell wirkt das Gerät mit seinen Features und Zusatzfunktionen überladen. Es dauert wohl eine Zeit, bis man sich eingewöhnt hat und weiß welche Aufgabe man nun mit einfachem Tippen, festem Tippen, Wischen, Knöcheldruck oder über den Fingerabdrucksensor ausführen kann.

Unter all dem steckt auf den ersten Blick ein gutes Smartphone. Ob man die ganzen Gimmicks im Alltag wirklich verwendet, ist eine andere Frage. Das Mate S kommt in Österreich im Oktober um 649 Euro auf den Markt. (Birgit Riegler aus Berlin, 14.9.2015)

Hinweis im Sinn der redaktionellen Leitlinien: Die Reise zur IFA erfolgte auf Einladung von Sony.

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