Kilian Kleinschmidt: Der "Löwe" knöpft sich Traiskirchen vor

Kopf des Tages2. September 2015, 17:27
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Der erfahrene Deutsche soll der österreichischen Regierung helfen, Struktur ins überbelegte Lager zu bringen

Die Anzahl der Flüchtlinge in Traiskirchen, für Kilian Kleinschmidt ist sie ja eigentlich ein "Witz". Solch eine Aussage würde man nun nicht unbedingt von jemandem erwarten, der die österreichische Bundesregierung just beim überquellenden Erstaufnahmelager beraten soll. Angesichts der Vita des 53-jährigen Deutschen kann man sie aber durchaus nachvollziehen. Schließlich leitete er mit großem Erfolg das mit bis zu 100.000 Bewohnern zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt, Zataari im Norden Jordaniens.

Wie er dort für Ruhe und Ordnung gesorgt habe? "Als ich hinkam, gab es keinen Dialog, dafür Prügel, Steine flogen, Tränengas wurde eingesetzt." Auf den Punkt gebracht, sagt er, war die dortige Infrastruktur nicht dem Fakt angepasst, dass die Flüchtlinge nicht in Massen gehalten, sondern als Individuen wahrgenommen werden wollen. "Nach dem, was diese Menschen alle durchgemacht hatten, ging es darum, deren Selbstwertgefühl wieder aufzubauen."

Das hat Kleinschmidt in Zataari geschafft, und das soll er nun auch in Traiskirchen bewerkstelligen. Dabei gesteht er, "dass es manchmal auch schwierig sein kann, mit weniger Menschen zu arbeiten".

In Mali die Entwicklungshilfe entdeckt

Seine Passion für Entwicklungshilfe entdeckte der 1962 in Essen Geborene, als er im Alter von 26 Jahren mit dem Motorrad durch die malische Wüste brauste, dabei zufällig Entwicklungshelfer kennenlernte und sich dann spontan entschloss, ohne Bezahlung eine Schule zu bauen. Auf den Geschmack gekommen, heuerte er schließlich bei der Uno an und bereiste zahlreiche Krisenherde, kümmerte sich um das dort überbordende Elend und geriet in so manchen Konflikt hinein, was ihm in Somalia den Spitznamen "der Löwe in der Wüste" einbrachte.

2014 kündigte Kleinschmidt schließlich den Posten in Zataari, um gemeinsam mit seiner jetzigen Frau und dem Stiefsohn – er selbst hat fünf leibliche Kinder – nach Wien zu ziehen. Dort gründete er eine eigene Firma, die sich mit innovativen Ideen in der Entwicklungshilfe beschäftigt. "Es gibt viel guten Willen und viele Kapazitäten, um zu helfen." Wenn man hier gut vernetze und koordiniere, glaubt Kleinschmidt, könne damit das große Problem im humanitären Bereich, der Mangel an Geld, gelöst werden. Die Firma ist noch im Aufbau begriffen. Nebenbei wird er sich nun um Traiskirchen kümmern. Wäre ja ein Witz, wenn er das nicht schafft. (Kim Son Hoang, 2.9.2015)

  • Kilian Kleinschmidt wird Österreichs Regierung beraten.
    foto: apa/dpa/sören stache

    Kilian Kleinschmidt wird Österreichs Regierung beraten.

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