Mit Barcodes Slips und Büstenhalter erfassen

5. September 2015, 09:05
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Ausgereiftere Technologien erleichtern die Arbeit im Lager. Wäscheriese Palmers macht mittels Barcodesystem den Sprung zur papierlosen Lagerhaltung

Vösendorf/Wien – Die Zettelwirtschaft ist auf dem Rückzug. Die Rolle von Papierlieferschein und Endlospapier übernehmen in Österreichs Lagern immer häufiger Barcodescanner und komplexe Computersoftware. Je nach Branche kommen dabei unterschiedliche Technologien zum Einsatz. Allen gemeinsam ist: Sie sollen die Arbeit der Lagermitarbeiter einfacher machen und Fehler in der Datenerfassung ausmerzen.

Das Datenerfassungssystem hat der österreichische Textilriese Palmers in seinem Lager in Vösendorf erneuert. Die Wäschekette hat ihr Lager vom Barcotec ausstatten lassen. Das Salzburger Unternehmen hat sich auf Lösungen zur automatischen Identifikation und Datenerfassung spezialisiert.

Seither werden Wareneingang, Einlagerung, Inventur, Kommissionierung und Warenausgang quasi auf Knopfdruck erledigt. "Die Mitarbeiter sparen dadurch viel Zeit – es hat einen richtigen Motivationsschub gegeben", sagt Elisabeth Kirnbauer, Logistikchefin bei Palmers.

Barcodes sind bald alt

Die neuen Barcodescanner im Palmers-Lager in Vösendorf, die auch Matrixcodes lesen können, sind im Konsumgüterbereich bereits gang und gäbe: Rund ein Viertel der großen österreichischen Unternehmen hat in den vergangenen drei Jahren in digitale Datenerfassungssysteme im Lager investiert. Etabliert haben sich dort die quadratischen QR-Matrixcodes. Diese können omnidirektional – also in alle Richtungen – gelesen werden. Auch können sie viel mehr Information als Barcodes beinhalten. Sogar hochauflösende Bilder können in Matrixcodes verschlüsselt werden.

In manchen Lagern ist die Technologie bereits weiter. RIFD-Systeme werden in der Logistik bereits dort eingesetzt, wo die Etikettierung der Waren aufgrund der Warengröße oder des Materials schwierig ist. Solche Radiofrequenzsysteme können auf größere Distanz Daten lesen: Ein Chip wird der Ware eingebaut oder angeheftet. Das Lesegerät erzeugt eine hohe Frequenz, durch die es den Chip aktiviert und ihm Informationen abliest oder einschreibt.

Roman Stiftner, Präsident der Bundesvereinigung Logistik, sieht in diesem Bereich viel Innovationskraft in Österreich am Werk: "Die unterschiedlichen Bedürfnisse erfordern individuell angepasste Technologien." Zwar gibt es einen Trend zur Zentralisierung der Organisation. Aber speziell in Städten seien Lager vor Ort zielführender. Damit Belieferung und Management dieser dezentralen Lager bewerkstelligt werden kann, werden Netzwerktechnologien immer wichtiger. Stiftner: "Das hat unter anderem auch mit der Individualisierung der Produkte bis hin zur Losgröße eins zu tun." Im E-Commerce etwa sind kaum noch nichtdigitale Lagersysteme im Einsatz.

Menschenhand bleibt wichtig

Auch wenn durch die Digitalisierung den Lagermitarbeitern viel Arbeit abgenommen wird und auch weniger Arbeiter notwendig werden, gibt es viele Tätigkeiten, die immer vom Menschen ausgeführt werden müssen. "Input und Kontrolle müssen immer Menschen machen", sagt Kirnbauer. "Auch Planungs-, Kontroll- und Organisationsaufgaben werden von Menschen angestoßen und überwacht", ergänzt Stiftner.

Die menschenleere Halle, wo sich alles wie von Geisterhand bewegt, wird es also so schnell nicht geben. Aber ohne unterstützende Technologie wird es immer weniger gehen, da dadurch Kosten minimiert werden können und schnell auf Kundenwünsche reagiert werden kann. "Ohne Teilautomatisierung arbeiten Lager ab einer gewissen Größe unwirtschaftlich", sagt Stiftner. (Aloysius Widmann, 5.9.2015)

  • Die Lagermitarbeiter von Palmers haben Bleistift gegen  Barcodescanner eingetauscht. So sollen Fehler vermieden werden.
    foto: barcotec

    Die Lagermitarbeiter von Palmers haben Bleistift gegen Barcodescanner eingetauscht. So sollen Fehler vermieden werden.

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