Hollywood-Ideal gibt vor, was als schön gilt

2. September 2015, 11:50
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Eine Studie liefert eine Erklärung, warum das "Hollywood-Ideal" die Vorstellung von Schönheit und Attraktivität dominiert

Ob nun die Maße 90-60-90 dem Ideal entsprechen, oder gar die Figur der ewig jungen Barbies untersuchten WissenschafterInnen aus zehn Ländern in einem internationalen Forschungsprojekt unter Beteiligung der Medizinischen Universität Graz.

Das von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von John Speakman koordinierte Forschungsvorhaben ging der Frage nach, welcher Anteil an Körperfett Frauen in unterschiedlichen Kulturen am attraktivsten macht. "Körperfett ist ein wesentlicher Aspekt zur Beurteilung, was wir als schön empfinden und was nicht", sagt Sandra Wallner-Liebmann vom Institut für Pathophysiologie der Med Uni Graz.

"Wir waren daran interessiert herauszufinden, ob das maximale Maß an körperlicher Attraktivität mit jenem Körperfettanteil korrespondiert, der unsere evolutionär abgeleitete Fitness maximiert. – Konkret ist damit das Überleben und die Fruchtbarkeit gemeint", ergänzt die Wissenschafterin.

BMI: Je niedriger, desto attraktiver

Die Forscher entwickelten ein mathematisches Fitness-Modell, um die Hypothese zu testen, dass es einen optimalen femininen Körperfettanteil als Zeichen evolutionärer Fitness gibt. "Dieses Modell verbindet den Zusammenhang von Körperfett und Fruchtbarkeit und sagt voraus, dass die physisch attraktivsten Frauen demnach einen Body Mass Index zwischen 24 und 24.8 haben sollten", erklärt Wallner-Liebmann.

Die Wissenschafter legten insgesamt 1.300 Probanden Bilder von Frauen vor. Die Studienteilnehmer waren Frauen und Männer aus drei kaukasischen Populationen (UK, Österreich und Litauen), drei asiatischen (China, Iran und Mauritius) und vier afrikanischen Ländern (Kenia, Nigeria, Marokko und Senegal).

Das Ergebnis: Die Frauen und Männer bewerteten die physische Attraktivität der vorgelegten Bilder sehr ähnlich – unabhängig von ihrer Herkunft. Allerdings stimmte das Ergebnis nicht mit der im Modell errechneten Prognose überein. "Tatsächlich zeigte sich in der Abfolge der Bilder – BMI 19 bis BMI 34 – ein linear negativer Zusammenhang zwischen Attraktivität und Fettanteil. Je dünner die dargestellte Person war, desto attraktiver wurde sie bewertet, was auf alle Populationen gleichermaßen zutraf", erklärt Wallner-Liebmann.

Hollywood-Ideal versus Fitness-Modell

Eine Erklärung für das Scheitern des mathematischen Fitness-Modells sehen die Wissenschafter im Einfluss des sogenannten "Hollywood-Ideals" auf unsere Gesellschaft. "Das medial propagierte Schlanksein beeinflusst das Rating über alle Populationen gleichermaßen", so die Expertin.

Die Henne-Ei-Problematik daran: Entstand dieses Ideal aus der Tatsache, dass Personen Schlanksein als attraktiv empfinden, oder ist das beobachtete Rating auf das Ideal zurückzuführen?

"Wir fanden heraus, dass es eine Erklärung für die beobachtete Diskrepanz gibt. Den Probanden wurden keine Informationen zum tatsächlichen Alter der abgebildeten Frauen gegeben, es wurde Gleichaltrigkeit vorausgesetzt. Als wir die Studienteilnehmer schließlich auch nach einer Einschätzung zum Alter der abgebildeten Frauen befragten, fanden wir einen starken Zusammenhang zwischen geschätztem Alter und BMI. Das ist ein wichtiges Ergebnis, da das Alter auch ein starker Prädiktor für Überleben und Fruchtbarkeit ist", sagt die Grazer Wissenschaftlerin.

Das Ideal: BMI zwischen 17 und 20

Mit der Faktorisierung dieses Zusammenhangs in das mathematische Modell verschob sich die optimale Fettmasse auf einen BMI von 17 bis 20, was exakt der Einschätzung maximaler Attraktivität der Befragten entspricht. Im Durchschnitt bewerteten die Befragten den Fettanteil einer Frau am attraktivsten, der dem BMI einer durchschnittlichen jungen Frau mit maximaler zukünftiger Reproduktivität und Überleben entspricht.

Das könnte den Forscher zufolge auch erklären, warum der durchschnittliche BMI von jungen Frauen in den Medien im Bereich von 17 bis 20 liegt und warum alle Bemühungen "Plus Size Models" zu etablieren bis auf wenige Ausnahmen fehlgeschlagen sind. (red, 2.9.2015)

  • Der durchschnittliche Body Mass Index von jungen Frauen in den Medien liegt zwischen 17 und 20.
    foto: apa/epa/mike nelson

    Der durchschnittliche Body Mass Index von jungen Frauen in den Medien liegt zwischen 17 und 20.

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