Wahlschlappe für Bürgerliche auf den Färöern

2. September 2015, 10:11
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Stärkste Gewinne für Sozialdemokraten und linke Republikaner – Zentrales Thema im Wahlkampf war die Aufnahme von Flüchtlingen aus Dänemark

Torshavn – Die zu Dänemark gehörenden Färöer stehen vor einem Regierungswechsel. Die liberal-konservative Koalition unter Ex-Fußballtormann Kaj Leo Johannesen büßte bei der vorgezogenen Neuwahl am Dienstag die Mehrheit im Autonomieparlament ein. Regierungschef wird nun wahrscheinlich Sozialdemokraten-Chef Aksel V. Johannesen.

Die liberalen Unionisten und ihr bisheriger Regierungspartner, die konservative Volkspartei, verloren je zwei Sitze im 33 Abgeordnete fassenden Parlament. Starke Gewinne erzielten neben den Sozialdemokraten, die mit über 25 Prozent der Stimmen mit Abstand stärkste Partei wurden, auch die linken Republikaner.

Diese beiden kommen künftig gemeinsam auf 15 Mandate und brauchen die Hilfe einer weiteren Kraft. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass es Aksel V. Johannesen gelingen wird, eine stabile Regierung zu bilden.

Steuern, Flüchtlinge und ein Tunnel

Nach Meinung des Gesellschaftsforschers Gestur Hovgaard war die unpopuläre Einführung des Einheitssteuersatzes ("Flattax") vor einem Jahr entscheidend für den Wahlausgang. Ein anderer Grund dürfte der Skandal um den Bau eines Unterseetunnels zwischen den Hauptinseln Streymoy und Eysturoy sein.

Mitentscheidend könnte gewesen sein, dass Sozialdemokraten-Chef Johannesen zuletzt eine Quote für die Übernahme von Flüchtlingen aus Dänemark forderte. Auf den Färöern sind es die bürgerlichen Parteien, die für die Aufnahme ausländischer Flüchtlinge sind, während die Sozialdemokraten und die Linken dagegen sind.

Verhältnis zu Dänemark

In der Frage, ob die Färöer sich vollständig von Dänemark trennen oder ein autonomes Gebiet bleiben sollen, gibt es Verfechter in beiden ideologischen Lagern. Die rechtsliberalen Unionisten und die Sozialdemokraten sind Dänemark-treu, die Konservativen und die linken Republikaner ebenso wie die kleinen Parteien sezessionistisch.

Die Färöer sind mit rund 1.400 Quadratkilometern flächenmäßig das kleinste der autonomen Inselgebiete in Nordeuropa. Die anderen beiden sind Grönland (auch Dänemark) und die in der Ostsee gelegenen Aland-Inseln (Finnland). Haupteinnahmequellen der Färöer sind Fischfang, Schafzucht und Tourismus. (APA, 2.9.2015)

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