Erste 250 Facebook-Mitarbeiter: Geheime Gruppe für Neureiche

2. September 2015, 07:44
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"Variety"-Reporter erhielt Einblick in eine Diskussionsgruppe der Multimillionäre – ein Anzeichen für Blase im Silicon Valley

Zeitreise ins Jahr 2011: Damals war LinkedIn das einzige soziale Netzwerk, das auf der Börse vertreten war. Fahrtenvermittler Uber hatte gerade einmal Investorengeld in der Höhe von 1,25 Millionen Dollar aufgestellt. Snapchat oder Tinder existierten noch nicht. Vergleich mit 2015: Die genannten Firmen sind mittlerweile milliardenschwer, Facebook hat einen spektakulären Börsengang hingelegt. Das Silicon Valley wird seit Jahren mit Geld überschwemmt – und viele Experten befürchten, dass eine Blase entsteht, die heftig zerbersten wird.

Zu viel Geld?

Ein Symptom dafür: Viele IT-Manager wissen gar nicht mehr, was sie mit ihrem Geld überhaupt anfangen sollen. Das zeigt sich etwa in einer geheimen Facebook-Gruppe der 250 ersten Facebook-Mitarbeiter, in die ein Journalist von "Variety" Einblick erhielt. Dort soll über die beste Art und Weise diskutiert werden, die durch den Börsengang erhaltenen Millionenbeträge auszugeben. Jachten, Banksy-Gemälde, tropische Inseln oder Flugzeuge: Der Einfallsreichtum der Superreichen ist unbegrenzt.

Hohe Gebäude

Wie viel Geld im Silicon Valley steckt, zeigen auch die Neubauten, die momentan aufgezogen werden: Facebook lässt sich ein Hauptquartier vom Stararchitekten Frank Gehry bauen, Apple holt sich Sir Norman Foster. Auch Google plant einen Prachtbau. Wirtschaftswissenschafter sehen darin allerdings ein Vorzeichen auf einen Börsencrash. Denn schon vor dem "Schwarzen Freitag" 1929 wurden die höchsten Häuser errichtet – etwa das Empire State Building, das Chrysler Building oder Forty Wall Street. Ähnliches gilt für die Wirtschaftskrise in Asien oder die letzte Tech-Blase zur Jahrtausendwende.

Praktikanten als Superverdiener

Auch überhöhte Löhne sind ein starkes Anzeichen für zu viel Geld, das sich in einer Branche befindet. Wie mehrfach berichtet können schon Praktikanten bis zu 8.000 Dollar pro Monat abstauben. Um manche Manager zu halten, sind Firmen bereit, Beträge in zweistelliger Millionenhöhe zu zahlen. Google soll sogar 100 Millionen aufgewendet haben, um einen Entscheidungsträger zum Bleiben zu bewegen.

Zu viele Start-Ups

Zwar ist die Position der großen Firmen wie Apple, Facebook oder Google gesichert; ihr Reichtum strahlt aber aus. Das Problem: Viele Investoren hoffen eben, den nächsten großen IT-Konzern zu entdecken. Dadurch strömt viel Geld in eine Reihe von Firmen, die ungefähr dasselbe machen. "Variety" nennt als Beispiel Zustelldienste, die momentan das große neue Ding sind – "obwohl Domino-Pizza die Lieferung binnen 30 Minuten schon 1980 geschafft hat."

Blase platzt

Wenn von all diesen Firmen nun nur eine oder zwei überleben, verlieren jene, die in andere Konkurrenten investiert haben, eine Menge Geld. Das könnte dazu führen, dass weniger Dollar ins Silicon Valley fließen. Oder, am schlimmsten: Geld sogar abgezogen wird, um es zu schützen. Dann platzt die Blase und hunderte Firmen gehen Pleite, während Fondsbesitzer wie Pensionsfonds ins Unglück stürzen. Abgesehen davon grassiert das Problem der sozialen Ungleichheit rund ums Silicon Valley in enormem Ausmaß.

Ein "Kaboom" ist allerdings alles andere als gesichert, auch wenn viele Experten eine Blase ausgemacht haben. Es könnte vielmehr zu einer Reihe von kleineren, weniger schmerzhaften Korrekturen kommen. Symptome wie die "250 superreichen Facebook-Mitarbeiter" zeigen aber jedenfalls, dass das Silicon Valley vielleicht eine Prise zu viel Geld eingenommen hat. (fsc, 2.9.2015)

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