"Der groß Schamane" auf 3sat: Hallo im Stachelschweinbau

1. September 2015, 17:45
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Auch spirituell weniger aufgeschlossene Menschen können erhellende Einsichten gewinnen

Kunta Boo ist traditioneller Heiler im Volk der San in Namibia. Er gräbt Wurzeln aus, die gegen Eheprobleme helfen: Man solle sich das zur Salbe verarbeitete Heilmittel um den Mund schmiert, sagt er, "wo die bösen Worte herauskommen". Seine Tochter, die selbst schon Großmutter ist, hört interessiert zu. Genauso wie man als Fernsehkonsument eines westlichen Industrielandes gebannt vor der 3sat-Dokumentation "Der große Schamane – Heilkunst in der Kalahari" verweilt.

Auch spirituell weniger aufgeschlossene Menschen konnten erhellende Einsichten gewinnen. Denn es ging den Filmemachern Manuela Zips-Mairitsch und Werner Zips nicht um das Vorführen möglichst exotischer Praktiken, sondern um Berührungspunkte zweier Parallelwelten: Als Buschmann und -frau das Leben in der freien Wildbahn bestreiten und zugleich die 2.0-Welt um sich herum wissen. Diese Milieus greifen scheinbar sinnvoll ineinander. Kunta Boo, der seinen zähen Körper mit bunten Perlengeflechten schmückt, hält beispielsweise von der Schulmedizin auch etwas. Das Spital ist aber 80 Kilometer entfernt.

Boos Zuhause, das Nyae Nyae Schutzgebiet, ist auch touristisch gut erschlossen und freut sich über Gäste, die "Bushwalks" buchen. Wie ein Perlhuhn in die Falle geht, das spielt der Schamane dabei höchstpersönlich vor.

Wenn Kunta Boo mit den Männern seines Dorfes auf Stachelschweinjagd geht, werden nur althergebrachte Waffen wie Speer und Bogen auf die fast nackten Leiber gepackt. Steigt der Mann aber in den Bau des Tieres hinab, dann nimmt er lieber ein Smartphone mit. Erstens wegen der Taschenlampe, zweitens falls dort eine giftige Schlange lauert. (Margarete Affenzeller, 1.9.2015)

Dienstag, 1. September, um 23.15 Uhr auf 3sat

  • Boo!Kunta bei der Jagd.
    foto: orf/manuela zips-mairitsch

    Boo!Kunta bei der Jagd.

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