Kleriker: USA für Iran weiter "Feind Nummer eins"

1. September 2015, 14:02
31 Postings

Vorsitzender von Expertenrat wirft Washington "Brandstiftung" vor – Teheran verbittet sich "US-Einmischung"

Teheran – Für den Iran bleiben die USA auch nach dem Abkommen über das iranische Atomprogramm der "Feind Nummer eins". Der ultrakonservative Vorsitzende des Expertenrats, Ayatollah Mohammad Yazdi, sagte am Dienstag laut Presseberichten, der Iran werde trotz des Atomabkommens seine Außenpolitik nicht ändern.

"Die Islamische Republik Iran betrachtet die USA weiter als Feind Nummer eins", sagte Yazdi zur Eröffnung der jährlichen Sitzung des Expertenrats. Das Gremium aus 86 Geistlichen wählt das geistliche Oberhaupt und kontrolliert im Prinzip auch die Ausübung des Amtes.

Yazdi versicherte, der Iran werde nicht zulassen, dass die USA die iranische Wirtschaft "erneut kontrollieren". Die USA würden den Nahen Osten in Brand stecken, um Israel zu schützen, sagte der Ayatollah, der im Frühjahr zum Vorsitzenden des Expertenrats gewählt worden war.

Auch das geistliche Oberhaupt im Iran, Ayatollah Ali Khamenei, hatte nach der Wiener Atomvereinbarung Mitte Juli mit der Gruppe der fünf UN-Vetomächte und Deutschland klar gemacht, dass dies nichts grundsätzlich an der Haltung Teherans gegenüber den USA ändere.

Keine diplomatischen Beziehungen

Teheran und Washington unterhalten keine diplomatischen Beziehungen mehr seit der Besetzung der US-Botschaft durch radikale Studenten im November 1979. Der als gemäßigt geltende Präsident Hassan Rohani setzt sich seit seinem Amtsantritt im August 2013 für eine Verbesserung des Verhältnisses ein. Während der monatelangen Verhandlungen über das Atomprogramm gab es regelmäßig Gespräche zwischen den Außenministern der beiden Länder. Eine Normalisierung der Beziehungen steht aber für beide Seiten nicht auf der Tagesordnung.

Die iranische Justiz wies unterdessen einen Aufruf von US-Außenminister John Kerry zur Freilassung des US-Bürgers Amir Hekmati als unzulässige Einmischung zurück. Die Justiz werde alle Fälle gemäß dem Gesetz und in aller Ruhe prüfen, insbesondere solche, die den Verdacht der Spionage zugunsten der USA beträfen, sagte der Leiter der Justiz, Ayatollah Javad Larijani, laut Presseberichten. Der frühere US-Soldat Hekmati ist seit vier Jahren unter Spionageverdacht in Haft. Er war während eines Besuchs bei seiner Familie im Iran festgenommen worden. (APA, 1.9.2015)

  • Yazdi (re.) mit dem früheren iranischen Präsidenten Khatami.
    foto: epa photo afp/atta kenare/kd/ys-fob

    Yazdi (re.) mit dem früheren iranischen Präsidenten Khatami.

Share if you care.