Mitbegründerin der "Mütter der Plaza de Mayo" gestorben

1. September 2015, 13:53
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Josefina Garcia de Noia und 13 weitere Mütter gründeten die argentinische Solidaritätsbewegung 1977

Buenos Aires – Josefina "Pepa" Garcia de Noia, eine der Mitbegründerinnen der Menschenrechtsorganisation "Mütter der Plaza de Mayo", ist tot. Sie starb laut einem Bericht des Nachrichtenportals "La Voz" bereits am Montag (Ortszeit) im Alter von 94 Jahren in Buenos Aires, wie Kathpress berichtete.

Garcia de Noia zählte zu den 14 Müttern, die am 30. April 1977 am ersten Schweigemarsch im Gedenken an ihre verschwundenen Angehörigen der Militärdiktatur (1976-1983) auf der Plaza de Mayo (Platz der Mai-Revolution) teilnahmen. Die argentinische Hauptstadt machte sie 2010 zur Ehrenbürgerin.

Während der argentinischen Militärdiktatur verschwanden laut Schätzungen bis zu 30.000 Menschen. Sie wurden getötet und zumeist vorher gefoltert. Erst nach und nach zeigte sich, dass die systematische Verschleppung politischer Gegner Teil der Kriegsführung der Militärs war. Nur wenige Fälle sind bis heute aufgeklärt. Bisher wurde dieses Kapitel der argentinischen Geschichte kaum aufgearbeitet.

Stummer Protest

Am 30. April 1977 versammelten sich erstmals die Mütter der "desaparecidos" auf der Plaza de Mayo. Jeden Donnerstag umrunden sie seitdem für eine halbe Stunde stumm den Platz, da Proteste im Stehen damals verboten waren. Das aus Trauer und Protest getragene weiße Kopftuch der Madres, ein Windelsymbol mit dem Namen des Verschwundenen, wurde zum Zeichen des Widerstands und des Kampfes für Gerechtigkeit.

Die Madres gehörten während der Diktatur zu den wenigen, die in Argentinien öffentlich protestierten, und wurden dadurch selbst zur Zielscheibe. Im Dezember 1977 wurde die damalige Führungsriege der Gruppe ebenfalls verraten, verschleppt und ermordet. Die Madres setzen sich für die Verfolgung der Täter ein. Der 2010 gestorbene Staatspräsident Nestor Kirchner genießt bei ihnen hohes Ansehen, weil er 2003 die Amnestiegesetze für Diktaturverbrechen außer Kraft setzte.

Am 30. Jahrestag ihres Bestehens wurden die mittlerweile betagten Mütter 2007 mit einem Festakt in Buenos Aires sowie mit zahlreichen Veranstaltungen geehrt. Daneben erhielten sie unter anderem 1992 den Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments und 1999 den UNESCO-Preis für Friedenserziehung. (APA, 1.9.2015)

  • Bis heute erinnern die Aktivistinnen an die Verschwundenen.
    foto: ap photo/natacha pisarenko

    Bis heute erinnern die Aktivistinnen an die Verschwundenen.

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