Die öffentliche Hand zahlt zuletzt

1. September 2015, 14:28
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Die Zahlungsmoral hat sich in Österreich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Gemeinden, Länder und Bund nehmen Zahlungsziele am wenigsten genau

Bei der Eintreibung von Schulden werden öffentliche Kunden viel sanfter behandelt als Private. Außenstände werden bei Privat- und Firmenkunden viel häufiger an Inkasso-Institute zur Betreibung weitergegeben. "Böse Zungen könnten meinen, dass die Betriebe aus Angst davor, nicht mehr beschäftigt zu werden, Eskalationen meiden", sagt Joahnnes Nejedlik, Vorstand des Kreditschutzverbands (KSV 1870). Dieser hat eine Studie zur Zahlungsmoral veröffentlicht, aus der hervorgeht: Die Zahlungsmoral in Österreich hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert, Privat- und Firmenkunden zahlen im Schnitt einen Tag früher, die öffentliche Hand einen Tag später als im Vorjahr.

Privatkunden sind verlässlich

Privatkunden sind verlässlich: 84 Prozent der Rechnungen begleichen sie fristgerecht. Bei Firmenkunden und der öffentlichen Hand sind es rund drei Viertel aller Rechnungen, die zeitgerecht beglichen werden. Der durchschnittliche Zahlungsverzug beträgt bei Firmenkunden vier Tage, bei der öffentlichen Hand sieben. Das ist nicht viel, wenn man außer Acht lässt, dass die öffentliche Hand (Bund, Länder und Gemeinden) im Schnitt sechs Tage länger Zeit hat, um Rechnungen zu begleichen. Das durchschnittliche Zahlungsziel liegt bei der öffentlichen Hand bei 31 Tagen.

Zahlungsverzugsrichtlinie missachtet

Und das, obwohl seit 2013 mit wenigen Ausnahmen die gesetzliche Höchstfrist von 30 Tagen gilt. "Eigentlich sollte die öffentliche Hand genau auf der anderen Seite der Statistik stehen", sagt Nejedlik. Dass die öffentliche Hand später und mit größerem Verzug zahlt, habe damit zu tun, dass sich diese beim Schuldenmanagement kaum professioneller Hilfe von außen bedient – im Gegenteil zu Privat- und Firmenkunden. "Hier gibt es großes Einsparungspotenzial in der öffentlichen Verwaltung", sagt Nejedlik.

Firmenkunden oft nicht liquide

Bei Firmenkunden gaben die rund 2000 befragten Unternehmen (Kunden oder Mitglieder des KSV 1870) momentane Liquiditätsengpässe als häufigsten Grund für Zahlungsausfälle an. Bei Privatkunden war deren Vergesslichkeit der Hauptgrund für offengebliebene Rechnungen. Ebenfalls gefragt wurden die Studienteilnehmer nach ihrer Einschätzung der derzeitigen Wirtschaftslage: Hier hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. 20 Prozent erwarten Umsatzrückgänge – ein Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. (Aloysius Widmann, 1.9.2015)

  • Die öffentliche Hand wird oft von Inkasso-Instituten verschont.
    foto: dpa/jens kalaene

    Die öffentliche Hand wird oft von Inkasso-Instituten verschont.

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