Ständige Erreichbarkeit untertags stört die Ruhe in der Nacht

1. September 2015, 13:02
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Die Angst, etwas zu verpassen, beeinflusst die Schlafqualität. Die intensive Nutzung von Digital Devices steigert diese Angst erheblich

Wer kennt das nicht? Das Smartphone klingelt, vibriert, zeigt einen neuen Anruf, ein neues E-Mail, eine neue Whats-App-Nachricht an. Es folgt der fast automatisierte Griff zum Gerät, das sekundenlange Starren aufs Display – das alle Aufmerksamkeit beansprucht und von der aktuellen Aufgabe ablenkt.

Dass die Nutzung von Digital Devices aber nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern auch die Schlafqualität wesentlich beeinflusst, ist das Ergebnis eines Experiments von Forschern der California State University mit 700 Studierenden. Dort zeigte sich: Wer tagsüber nicht von seinem Smartphone oder Tablet ablassen kann, schläft schlechter – weil er permanent Angst hat, etwas zu verpassen. (Im angloamerikanischen Fachjargon wird dieses Phänomen als Fomo, die "fear of missing out", bezeichnet.)

Angststörungen

Wie die Wissenschafter rund um Psychologieprofessor Larry Rosen in ihrer Studie beobachten konnten, zeigten rege Smartphone-Nutzer bereits Angststörungen, wenn sie nicht 24 Stunden pro Tag ihre elektronische Geräte im Blick hatten (ein leerer Akku soll angeblich sogar zu einer Panikattacke geführt haben).

Nutzungsgewohnheiten wirkten sich aber auch auf die Schlafqualität aus: Jene Studenten, die untertags mehr Zeit mit ihrem Smartphone verbrachten, hatten eher Probleme einzuschlafen und wachten in der Nacht häufiger auf. "Zudem haben sie in der Nacht ihre Mobilgeräte neben dem Bett liegen und checken, wenn sie aufwachen, ihre Nachrichten – was ebenfalls den Schlaf stört", sagt Studienautor Rosen.

Tipps für guten Schlaf

Er rät: "Machen Sie sich bewusst, wie wichtig Schlaf für den menschlichen Organismus ist. Nicht nur die Merkfähigkeit steigt, sondern auch die emotionale Ausgeglichenheit, ebenso wie die Leitungsfähigkeit des Gehirns", sagt Rosen – und gibt in der Harvard Business Review Tipps für eine gute Nacht:

Tipp 1: "Versuchen Sie schon unter Tags, nicht auf jede einzelne Benachrichtigung zu reagieren wie ein pawlowscher Hund", sagt Rosen. "Am besten wäre es, Benachrichtigungen überhaupt auszuschalten und sich selbst eine Online-Pause aufzuerlegen, um die Neurotransmitter im Gehirn wieder neu zu trainieren." Sein Tipp: mit einer Pause von 15 Minuten zu beginnen und die Zeitspanne langsam auszudehnen. "Sagen Sie Ihrer Familie, Ihren Freunden und Ihren Kollegen, dass Sie fortan nicht immer gleich auf Nachrichten antworten werden."

Tipp 2: Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollten Sie alle elektronischen Geräte abschalten.

Tipp 3: Verwahren Sie Handy, Tablet und Computer lieber im Wohnzimmer, rät der Psychologe. "Das hält Sie davon ab, während der Nacht immer wieder zu prüfen, ob es Neuigkeiten gibt."

Tipp 4: Ebenfalls ratsam: Eine Stunde vor dem Zu-Bett-Gehen das Licht dämmen – das führt zu einer höheren Ausschüttung von Melatonin, das für den Schlaf wesentlich ist.

Tipp 5: Mit einer gemütlichen Aktivität stellen Sie sich auf das Einschlafen ein – und reduzieren die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in der Nacht wegen Angsterscheinungen aufwachen: Schauen Sie sich eine Fernsehsendung an, die Sie gerne haben; lesen Sie ein Buch (in gedruckter Form) von einem bekannten Autor; hören Sie sich Ihr Lieblingslied an.

Für das Aufwachen in der Nacht haben die Forscher ebenfalls einen speziellen Tipp parat: "Denken Sie an eine Stelle in einem Lied und sagen Sie sich diese immer wieder vor. Das blockiert die Sorgen und ermöglicht Ihnen, wieder einzuschlafen. Auch Meditationstechniken können helfen." (lib, 1.9.2015)

  • FOMO, the "fear of missing out" (die Angst, etwas zu verpassen) ist eine Krankheit des digitalen Zeitalters, wie Forscher rund um den Psychologen Larry Rosen mit ihrer neuen Studie aufzeigen.
    foto: ap/markus schreiber

    FOMO, the "fear of missing out" (die Angst, etwas zu verpassen) ist eine Krankheit des digitalen Zeitalters, wie Forscher rund um den Psychologen Larry Rosen mit ihrer neuen Studie aufzeigen.

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