Arbeitslosigkeit auch im August wieder gestiegen

1. September 2015, 16:02
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Die Lage verschlechtert sich weiterhin, eine Trendwende am heimischen Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht

Wien – Die Arbeitslosigkeit ist in Österreich auch im August weiter gestiegen. Mit Ende des Monats waren 327.000 Menschen als arbeitslos gemeldet, 57.000 befanden sich in einer AMS-Schulung. Die um saisonale Schwankungen bereinigte Arbeitslosenrate – Ökonomen sehen sie als den aussagekräftigsten Indikator – ist im August auf 10,9 Prozent geklettert. Anfang des Jahres lag sie noch bei 10,3 Prozent, vor der Krise bei 7,1 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit steigt in Österreich seit 2011 beständig an, kurzfristig hat sich die Lage leicht entschärft, als sich die Konjunktur im Euroraum etwas erholte. Die meisten Arbeitslosen haben zuvor im Handel gearbeitet (51.700), der zweitgrößte Sektor ist der Tourismus (36.000) und der Leiharbeiterbereich (34.900). Am stärksten ist der Anstieg der Arbeitslosen derzeit im Gesundheits- und Sozialsektor.

In Salzburg verschlechterte sich die Lage mit 3,2 Prozent mehr Arbeitslosen noch am geringsten, gefolgt von Tirol und Vorarlberg (beide + 4,5 Prozent). In Kärnten stieg die Zahl der Arbeitslosen um 5,9 Prozent, in der Steiermark um 6,4 Prozent und im Burgenland um 7,0 Prozent. Niederösterreich verzeichnete einen Zuwachs um 9,7 Prozent, Oberösterreich um 11,7 Prozent. In der Bundeshauptstadt Wien stieg die Zahl der Arbeitslosen um 19,7 Prozent. Im Österreich-Schnitt lag der Zuwachs im Vorjahresvergleich bei 11,9 Prozent. Der hohe Anstieg in Wien liegt aber auch an der Statistik. In Wien ist die Zahl der vom AMS angebotenen Schulungen am stärksten zurückgegangen.

Deutlich mehr auf Jobsuche

Das Sozialministerium verweist auf die steigende Beschäftigung. Ohne stabile Konjunktur könne jedoch das zunehmende Arbeitskräfteangebot nicht abgedeckt werden. Knapp 65.000 Arbeitskräfte waren im August zusätzlich auf Jobsuche, rund die Hälfte davon finde auch neue Arbeitsplätze.

Damit stieg die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um rund 30.000 auf einen neuen Rekordwert von 3,582.000 Personen. Derzeit wird hinter den Kulissen an einem Paket für einen Arbeitsmarktgipfel gearbeitet, der im Herbst stattfinden soll. Einen konkreten Termin dafür gibt es noch nicht.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut rechnet mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit bis 2017, das AMS erweitert diese Prognose sogar auf 2018. Ökonomen prognostizieren aber selbst dann keinen raschen Rückgang. Das liegt vor allem an der schwachen Konjunktur: Österreich ist seit 2012 beim Wachstum deutlich im Eurozonenvergleich zurückgefallen. Auch die hohe Migration erklärt für Ökonomen einen Teil des Anstiegs der Arbeitslosigkeit. Im Vorjahr sind 72.000 Menschen mehr nach Österreich zugewandert als ausgewandert, in den Jahren davor waren es noch deutlich weniger.

Reaktionen

Die Reaktionen der Parteien fallen sehr unterschiedlich aus: Die FPÖ sieht die Ursache der Probleme bei den Ausländern und tituliert Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) als "Einwanderungsminister".

Die Freiheitlichen werfen dem Sozialminister vor, sich wegen Ambitionen um das Bundespräsidentenamt nicht um die Interessen der Arbeitnehmer zu kümmern und kritisieren die Verschiebung des Arbeitsmarktgipfels. Seit Jahren gebe es "eine starke Zuwanderung über die Asylschiene und seit dem Ende der Übergangsfristen wird unser Land auch von Osteuropäern mehr oder weniger überrannt".

Hundstorfer lehne die FPÖ-Forderung nach einer sektoralen Schließung des österreichischen Arbeitsmarktes für Nicht-EU-Bürger und EU-Bürger einfach ab. "Jetzt fehlt nur noch, dass Hundstorfer als eine Art Abschiedsgeschenk zusätzlich Zehntausenden Asylwerbern in den nächsten Monaten eine Arbeitserlaubnis in Österreich beschafft – dann spielt's aber Granada", heißt es in einer FPÖ-Aussendung.

Die Grünen fordern ein generelles Umdenken und eine andere Verteilung von bezahlter Arbeit. Ein Wirtschaftswachstum, das jedem Arbeitsuchenden einen 40-Stunden-Job biete, sei in den nächsten Jahrzehnten nicht zu erwarten. Auch die unbezahlte Versorgungsarbeit solle professionalisiert werden. Gegen Änderungen würden sich jedoch die Sozialpartner sträuben.

ÖVP und NEOS gehen im Vorfeld der Wien-Wahlen auf die Bundeshauptstadt ein. Die ÖVP sieht die rot-grün regierte Bundeshauptstadt im Fach Arbeitsmarkt "durchgefallen" und drängt auf einen "Kurswechsel": In der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik fehle es an Effizienz, Professionalität und Transparenz. Die NEOS orten in Wien eine "Bildungsmisere", denn etwa jeder zweite Arbeitslose habe nur einen Pflichtschulabschluss. Die Lohnnebenkosten für die Unternehmer sollten gesenkt werden, fordern die NEOS. (sat, APA, 1.9.2015)

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