Satellitenbilder belegen erneute Tempelzerstörung in Palmyra

1. September 2015, 17:12
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Extremisten des Islamischen Staates sprengten offenbar das Zentralheiligtum der antiken Metropole in Syrien

Palmyra/London – Wo einst Säulen eindrucksvoll in die Höhe ragten, ist heute nur mehr Schutt zu sehen. Der Uno liegen Satellitenbilder vor, die die Zerstörung des weltberühmten Baal-Tempels in der antiken Wüstenstadt Palmyra in Syrien bestätigen. "Wir können die Zerstörung des Hauptgebäudes des Baal-Tempels sowie einer Säulenreihe in der unmittelbaren Nachbarschaft bestätigen", erklärte das Forschungs- und Ausbildungsinstitut der Vereinten Nationen (Unitar) am Montag.

Der Baal-Tempel vor seiner Zerstörung durch die Extremisten des "Islamischen Staats" (IS).

Zuvor hatte bereits die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der Nacht auf Montag mitgeteilt, dass die Jihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) in Palmyra den größten Tempel und das ehemalige Zentralheiligtum der antiken Stadt teilweise zerstört habe. Vor der Verbreitung des Christentums in der Gegend im zweiten Jahrhundert nach Christus wurde dort die Dreifaltigkeit Baal, Jarhibol (Sonne) und Aglibol (Mond) angebetet. Im Inneren des rund 2.000 Jahre alten Tempels zu Ehren des babylonischen Gottes Baal – dem Äquivalent des griechischen Zeus – zündeten die Islamisten laut Aktivisten Sprengstoff.

Satellitenbilder zeigen die Zerstörung des Baal-Tempels, des zentralen Heiligtums der antiken Stadt Palmyra. (Reuters / Airbus DS, Unitar-Unosat / Handout via Reuters)

Erst vor einer Woche hatte der IS den antiken Tempel von Baal Schamin in der Unesco-Welterbe-Stätte Palmyra in die Luft gesprengt und damit international Bestürzung hervorgerufen. Das Gebäude war im Jahr 17 begonnen und vom römischen Kaiser Hadrian 130 erweitert und verschönert worden. In der rund 2.000 Jahre alten Baal-Tempel-Anlage – der größten in Palmyra – wiederholte sich das Szenario den Angaben zufolge offenbar.

Der bereits vor einer Woche in Palmyra zerstörte Tempel war dem phönizischen Himmelsgott Baal Schamin gewidmet. (Reuters / U.S. Department of State, Humanitarian Information Unit, NextView License (DigitalGlobe), Satellite Imagery Analysis by Unitar-Unosat)

Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 besuchten jährlich mehr als 150.000 Touristen die Ruinen von Palmyra und bewunderten die lange Säulenstraße, die Portale, die Tempel und die weitläufige Nekropole mit ihren mehr als 500 Grabmälern.

Überblick über Palmyra.

Wichtige Kunstwerke waren zwar schon vor der Eroberung der Stadt durch die IS-Jihadisten aus dem örtlichen Museum von Palmyra in Sicherheit gebracht worden, doch plünderten die Extremisten mehrere der reich verzierten Mausoleen. Laut dem syrischen Antikendirektor Mamun Abdelkarim fiel auch der berühmte Löwe der Athena ihrer Zerstörungswut zum Opfer. Im Theater hätten sie Hinrichtungen vollzogen und ein Museum zum Gefängnis umgewandelt. Kürzlich enthaupteten sie öffentlich den 82-jährigen langjährigen Chefarchäologen der Stadt.

Der Name Palmyra bedeutet Stadt der Palmen und wurde erstmals im 19. Jahrhundert vor Christus erwähnt. Damals war die Stadt eine Station für Karawanen, ihr eigentlicher Aufstieg begann nach der Eroberung durch die Römer im ersten Jahrhundert vor Christus. Bald schon entwickelte sich die Stadt dank des Handels mit Gewürzen, Seide und Duftstoffen aus dem Osten sowie Statuen und Glaswaren aus Phönizien zu einer luxuriösen Metropole.

Blick auf das antike Palmyra. Im Hintergrund sind die Außenmauern des gewaltigen Baal-Heiligtums zu sehen.

Im Jahr 129 nach Christus erklärte der römische Kaiser Hadrian Palmyra zur "freien Stadt" innerhalb seines Reichs. In dieser Epoche entstand auch der Baal-Tempel. Als das Römische Reich im dritten Jahrhundert zu bröckeln begann, erklärte sich Palmyra für unabhängig. Es folgte der Aufstieg der mächtigen Königin Zenobia, die bis zum Jahr 270 ganz Syrien und Teile Ägyptens eroberte. Nach ihrer Niederlage gegen die Römer verlor Palmyra an Bedeutung.

Bereits vor der Einnahme durch die IS-Miliz hatten Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen ihre Spuren hinterlassen – Säulen und Statuen stürzten durch die Gefechte um. Die Mehrheit der bis zu 100.000 Einwohner zählenden Neustadt Tadmur ist seit dem Fernbleiben der Touristen ohne Arbeit. (stb/APA, 1.9.2015)

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