Der Kanzler mit dem langen Atem

1. September 2015, 10:46
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Werner Faymann war der letzte Gast bei Hans Bürger. Und er teilte dem Land geradezu empört mit: "Wir haben derzeit 1500 Zelte, die gehören weg, es kommt der Winter."

Wer zwischendurch den Eindruck hatte, der Kanzler habe nicht mitbekommen, dass tausende Flüchtlinge hier im Freien auf dem Boden schlafen mussten, wurde am Montagabend eines besseren belehrt. Werner Faymann war der letzte Gast bei Hans Bürger. Und er teilte dem Land geradezu empört mit. "Wir haben derzeit 1500 Zelte, die gehören weg, es kommt der Winter." Überhaupt sei das jetzt die Causa prima: "Jetzt geht es um Menschenleben, jetzt geht es um Menschenrecht!" Beruhigend, dass der Kanzler das auch so sieht. Der scharfe Ton galt freilich Europa und jenen Ländern, die die Flüchtlinge schon im Regen stehen lassen, bevor sie ebendort schlafen müssen. Wie er Europa dazu bringen wolle, Quoten einzuhalten, wenn das nicht einmal in den Bundesländern funktioniere, fragte Bürger. Da gibt es schon auch andere, die einmal etwas brauchen könnten. Der Brite Cameron etwa. Da könnten wir "auch einmal sagen, da stimmen wir nicht zu", drohte Faymann.

Drei Präsidenten für den Kanzler

Drei Präsidenten hatte Faymann offenbar im Vorfeld als Vertraute genannt: Jenen der Caritas, Michael Landau, den des EU-Parlaments, Martin Schulz und Heinz Fischer, der sich im eingespielten Film mit "Ich bin der Bundespräsident der Republik", vorstellte und verraten durfte: "Ich weiß schon, welchen Kaffee er will". Er könne aber mit dem Vizekanzler auch gut, relativierte Fischer gleich. Schulz attestierte Faymann "einen langen Atem" und Landau erzählte, dass es vorkomme, dass er dem Kanzler eine SMS schicke. Schlechte Umfragewerte rührten Faymann wenig: Er tritt wieder an. Das Kanzlerteam bliebe unverändert. Obwohl: "Passieren muss immer was." (Colette M. Schmidt, 31. 8. 2015)

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