20.000 demonstrierten in Wien gegen unmenschlichen Umgang mit Flüchtlingen

Video31. August 2015, 23:39
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Gedenken an die toten Flüchtlinge im Burgenland – Keine polizeilich relevanten Vorfälle

Wien – Knapp 20.000 Menschen haben am Montagabend in Wien gegen unmenschlichen Umgang mit Flüchtlingen demonstriert. Gestartet war der Demo-Zug am Christian-Broda-Platz, die Schlusskundgebung fand vor dem Parlament statt. Um etwa 21.30 Uhr wurde die unter dem Motto "Mensch sein in Österreich" stehende Kundgebung beendet.

Der Demonstrationszug hatte sich zuvor verspätet erst 19.30 Uhr in Bewegung gesetzt, da sich immer mehr Menschen versammelten. Viele Teilnehmer trugen auf Anregung der Organisatorin Nadia Rida weiße Kleidung.

Teilweise unter Applaus von Passanten gingen die Demonstranten über die Mariahilfer Straße Richtung Innenstadt, zu Songs wie "Es fangt genauso an" von STS und "A Mensch möcht i bleiben" von Wolfgang Ambros.

derstandard.at/von usslar
foto: urban/standard
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Tausende Demonstranten in Wien-Mariahilf.
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"Gemeinsam" und mit "Liebe" war das Motto der Demonstration. Damit könne man das Land verändern. Die laut Polizei knapp 20.000 Teilnehmer sammelten sich gegen 21.00 Uhr vor dem Parlament. Zuvor hatte die Polizei den Ring komplett von der Operngasse bis zum Parlament gesperrt. Es kam auch auf der 2er-Linie zu langen Rückstaus.

Vor dem Parlament wurden dann Transparente geschwenkt und zahlreiche Kerzen entzündet. Mit der Asylpolitik in Österreich sei man nicht zufrieden. "Seht, wie viele wir sind, auch wir können viel bewegen ", sagte Organisatorin Nadia Rida.

Bei der Kundgebung vor dem Parlament wurde auch der 71 toten Flüchtlinge aus dem Lkw an der A4 im Burgenland gedacht. Zum Lied "Gebt uns endlich Frieden" von Georg Danzer entzündeten die Teilnehmer ein Lichtermeer.

Die Stimmung bei der Demo war außerordentlich friedlich, zahlreiche Familien nahmen mit Kindern teil. Polizisten trugen ihre Sicherheitshelme lediglich unter dem Arm. Insgesamt waren 450 Beamte im Einsatz, die Demonstration selbst begleiteten aber nur rund 100, die restlichen kümmerten sich etwa um Verkehrsmaßnahmen und Objektschutz.

"Es gab keinen einzigen polizeilich relevanten Vorfall", sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Kurz nach 22.00 Uhr wurde der Ring wieder für den Verkehr freigegeben.

Gedenkgottesdienst

Zuvor ist am Montagabend mit einem öffentlichen Gedenkgottesdienst im Stephansdom der 71 in einem Schlepperfahrzeug ums Leben gekommenen Flüchtlinge gedacht worden. "Es ist genug! Genug des Sterbens, genug des Leides und der Verfolgung. Wir können nicht mehr wegschauen", sagte Kardinal Christoph Schönborn vor den Besuchern, darunter fast die gesamte Bundesregierung, wie Kathpress berichtete.

herbert pfarrhofer/apa
Kardinal Christoph Schönborn bei seiner Predigt.

Es sei eigentlich "zu grauenhaft, an das Todesleiden und Sterben dieser 71 Flüchtlinge in einem Kühlwagen für Fleischtransport" zu denken, sagte der Kardinal zu dem am vergangenen Donnerstag entdeckten Flüchtlingsdrama auf der Ostautobahn (A4) im Burgenland. Das Gedenken sei aber notwendig: "Sie alle, die gestorben sind, um die wir trauern, sind unsere Geschwister, einfach Mitmenschen."

herbert pfarrhofer/apa
Die Regierungsspitze samt Nationalratspräsidentin beim Gedenkgottesdienst im Stephansdom.

Der Kardinal rief einmal mehr zu mehr Hilfe für Flüchtlinge auf, zugleich mahnte er auch mehr europäische Solidarität bei der Versorgung und Integration der Flüchtlinge ein. Die Flüchtlinge seien "Menschen, die einfach überleben und leben wollen, wie wir alle."

Es sei endlich an der Zeit, "aus der Starre zu erwachen und uns entschieden der wohl größten humanitären Herausforderung Europas in den letzten Jahrzehnten zu stellen", sagte Schönborn. Das gehe nur gemeinsam, im Zusammenspiel von Staaten, Gemeinden und Religionsgemeinschaften. "Wir dürfen zugeben, dass es schwierig ist. Wir dürfen Ängste und Sorgen benennen. Aber Wegschauen geht nicht mehr", betonte der Kardinal.

Gemeinsam mit Schönborn zelebrierten u. a. Militärbischof Werner Freistetter und Weihbischof Franz Scharl den Gottesdienst. Fast die gesamte Bundesregierung, angeführt von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), war in den Stephansdom gekommen. U. a. nahmen auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP), Nationalratspräsidentin Doris Bures, Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (beide SPÖ) und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Fuat Sanac, an dem Gedenken teil. (APA, Video: Maria von Usslar, 31.8.2015)

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