Pro und Kontra: Facebook-Hasspostings löschen

Kommentar31. August 2015, 17:33
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Schaden Hassbotschaften der Gesellschaft, oder sollen die Menschen sich damit konfrontieren?

PRO: Profitorientierte Heuchler

von Fabian Schmid

Mehr als eine Milliarde Menschen waren vergangenen Donnerstag auf Facebook online – ein neuer Rekord. Das soziale Netzwerk rühmt sich damit, seinen Nutzern einen Ort zum freien Meinungsaustausch anzubieten. Doch die Plattform entwickelt sich zu einem Paradies für Hetzer, die ungehindert ihre rassistischen und menschenfeindlichen Parolen loswerden können.

Dabei stellt Facebook in seinen Nutzungsbedingungen klar, dass "sämtliche Hassbotschaften" entfernt würden. Doch das stimmt einfach nicht. Ein Blick auf die zahlreichen fremdenfeindlichen Facebook-Seiten genügt, um das Gegenteil zu beweisen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Berichte über Kommentare, die von anderen Nutzern gemeldet, von Facebook aber nicht gelöscht worden sind. Man muss realistisch sein: Facebook geht es um Profit. Interaktionen – auch rechtsextreme – bedeuten Verweildauer, die bedeutet mehr Geld aus Werbung. Jeder gelöschte Inhalt tut Facebook weh. Für das Image heuchelt man aber.

Jeder Kommentar, der stehen bleibt, schadet allerdings der Gesellschaft: Denn auf Facebook wird mit falschen Fakten gehetzt und ein Klima des Hasses ermöglicht. Der Konzern fährt Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe ein, könnte seine Ressourcen für die Betreuung der Nutzer also locker erhöhen. Tut er das nicht freiwillig, sollte ihn der Staat dazu zwingen. Denn was auf Facebook passiert, verantwortet auch Facebook – mit allen Konsequenzen.(Fabian Schmid, 31.8.2015)

KONTRA: Engagement statt Verbot

von Alois Pumhösel

Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar. Auch jene, dass es Menschen in Österreich gibt, die sich über zig tote Flüchtlinge in einem Schlepper-Lkw freuen. Was strafrechtlich relevant ist, soll selbstverständlich geahndet werden. Darüber hinausgehend inhumane Gesinnungen vertuschen zu wollen hieße – ähnlich wie bei der laufenden "Aktion scharf" gegen Schlepper – reine Symptombekämpfung zu betreiben und das dahinterliegende Problem zu verdrängen.

Nein. Die Menschen sollen über ihr gleichgesinntes Umfeld hinaus sehen und sich damit konfrontieren, dass viele ihrer Mitbürger so unreflektiert, verroht und empathielos sind. Nur so kann man Stellung beziehen und ins Gespräch kommen. Nur so kann eine Gesellschaft diesen Hass verarbeiten. Die Hoffnung lebt, dass eine derartige "Therapie" erfolgreich sein kann. Es hat längst begonnen: Immer mehr Menschen solidarisieren sich mit den Vertriebenen, stellen Fakten richtig, fordern zielführende Reformen. Nicht nur die Schreiber von Hasspostings sind aufgewacht, auch eine engagierte Zivilgesellschaft.

Die Äußerungen zu unterbinden löst nichts. Mangelnde Bildung, emotionale Verrohung, ein weiteres Aufgehen der sozialen Schere – was auch immer den Hintergrund des Dramas gibt – gehen nicht weg, nur weil man die Augen verschließt. Die Misere wächst insgeheim zu einem viel größeren Problem heran, das sich dann irgendwann ganz demokratisch an die politische Spitze wählt. (Alois Pumhösel, 31.8.2015)

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