"Luis Trenker": Der Horizont endet beim nächsten Gipfel

31. August 2015, 17:08
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In "Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit" will der filmende Bergsteiger die gefälschten Tagebücher Eva Brauns verkaufen

Wien – Wenn der Reichspropagandaleiter gebannt auf die Leinwand starrt, ist der anwesende Filmemacher merklich nervös. Bei der Vorführung von Der Rebell ist Goebbels in Entzückung geraten, doch als nun in Condottieri seine SS-Standarte vor dem Papst auf die Knie gehen muss, fordert er den Abbruch. Aber augenblicklich ist auch die Nervosität des Regisseurs wie weggeblasen, denn eines darf man Luis Trenker nicht nehmen: seinen Stolz.

Wolfgang Murnberger widmet sich in seinem – nun auch im Kino laufenden – Fernsehfilm der Leidenschaft des Südtiroler Bergsteigers für die Leinwand, wobei jene für die Berge und die Frauen die Nebenrollen übernehmen. Die historische Wahrheit behandelt Drehbuchautor Peter Probst eher freimütig, aber das hätte dem Flunkerer Trenker – der noch im deutschen Nachkriegsfernsehen als "Geschichtenerzähler" auftrat – wohl nicht schlecht gefallen.

Propaganda und Passion

Als Rahmenhandlung fungiert dabei Trenkers Versuch, beim Filmfestival von Venedig 1948 dem Hollywood-Agenten Paul Kohner ein Manuskript unterzujubeln, das ihn in Amerika zum Star machen soll: die von ihm selbst gefälschten Tagebücher der Eva Braun.

Das Bild des gnadenlosen Opportunisten, der sich des nationalsozialistischen Apparats für eigene Zwecke zu bedienen wusste, zeichnet sich in Der schmale Grat der Wahrheit ebenso bald ab wie die Mischung aus Ignoranz und Bauernschläue, mit der Tobias Moretti seine Figur ausstattet.

Der schmale Grat, auf dem auch dieser Film wandelt, zeigt sich jedoch anderweitig: Trenkers politischer Horizont mag gerade mal bis zum nächsten Gipfel gereicht haben, an der Figur Leni Riefenstahls, die ihm als Weggefährtin und Konkurrentin zur Seite steht, wird jedoch die problematische Verkürzung in der Darstellung von Propaganda und Passion ersichtlich. Hier wird auch für Luis Trenker die Luft ziemlich dünn. (Michael Pekler, 1.9.2015)

Jetzt im Kino

  • Gute Erfolgsaussichten für den Südtiroler und die Berlinerin: Tobias Moretti und Brigitte Hobmeier bilden als Luis Trenker und Leni Riefenstahl eine Seilschaft.
    foto: thimfilm

    Gute Erfolgsaussichten für den Südtiroler und die Berlinerin: Tobias Moretti und Brigitte Hobmeier bilden als Luis Trenker und Leni Riefenstahl eine Seilschaft.

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