Fehlgeleitete Galileo-Satelliten sollen Effekte der Relativitätstheorie nachweisen

31. August 2015, 15:58
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Zwei Satelliten sollen bisher genauesten Beleg der gravitativen Rotverschiebung liefern

Bremen – Die im Vorjahr in einer falschen Umlaufbahn ausgesetzten Galileo-Satelliten sollen nun der Forschung zur Relativitätstheorie dienen. Ein Bremer Wissenschafter bekommt dafür Zugriff auf die Daten der beiden Satelliten. Er werde im Oktober mit der Auswertung beginnen, teilte die Universität der deutschen Stadt am Montag mit.

Wegen eingefrorener Treibstoffleitungen hatte eine Trägerrakete die Satelliten für das europäische Navigationssystem im vergangenen Jahr statt in 23.000 Kilometern Höhe in einer elliptischen Umlaufbahn ausgesetzt. Die beiden Satelliten pendeln zweimal täglich zwischen zwei Punkten, die sich 17.500 und 25.000 Kilometern von der Erdoberfläche entfernt befinden.

Gravitation und Zeit

Professor Claus Lämmerzahl vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation will die gespeicherten Zeitdaten für den bisher genauesten Nachweis der gravitativen Rotverschiebung nutzen. Diese Vorhersage nach Albert Einsteins Relativitätstheorie besagt, dass Gravitation die Zeit beeinflusst.

1978 hatten Forscher das bereits bei einem Experiment mit zwei identischen Uhren untersucht: Die an Bord einer Rakete in 10.000 Kilometern Höhe lief demnach schneller als die auf der Erde. Den Effekt konnten die Wissenschafter den Angaben zufolge damals bis auf die vierte Stelle nach dem Komma messen.

Wegen der große Menge an Daten von den beiden fehlgeleiteten Galileo-Satelliten erwartet Lämmerzahl diesen nun auf mit einer um den Faktor 10 verbesserten Genauigkeit nachweisen zu können. (APA/red, 31.8.2015)

  • Die Umlaufbahnen der fehlgeleiteten Galileo-Satelliten sollen künftig der Forschung dienen.
    illu.: esa

    Die Umlaufbahnen der fehlgeleiteten Galileo-Satelliten sollen künftig der Forschung dienen.

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