"Frank": Auf der Suche nach den leisen Zwischentönen

31. August 2015, 17:12
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In Lenny Abrahamsons Filmkomödie "Frank" setzt sich Michael Fassbender einen Kopf aus Pappmaché auf. Die Geschichte des exzentrischen Bandleaders ist jedoch weniger skurril als melancholisch: Traurig sind die Einsamen

Wien – Auf der Suche nach Inspiration geht der Künstler die seltsamsten Wege. Allerdings nur dann, wenn er ein solcher ist. Jon (Domhnall Gleeson) glaubt Musiker zu sein und geht an den Strand. Was er dort findet, sind Kinderwagen schiebende Frauen, und die Melodien, die ihm einfallen, sind mindestens so schlecht wie die dazugehörigen Verse.

Gut hingegen ist dieser Auftakt für einen Film über einen Versager und ein Genie, weil er auf dem Prinzip der Fallhöhe aufbaut: auf der einen Seite Jon, der nur in die Band aufgenommen wird, weil der Keyboarder der Gruppe vor seinen Augen einen lebensgefährlichen Ausstieg ins Meer gewählt hat, auf der anderen Seite ein Mann, der dem Begriff "kreativer Kopf" eine neue Bedeutung verleiht: Niemand weiß, wer sich wirklich unter der riesigen Kugel aus Pappmaché verbirgt, die abzunehmen Frank nicht bereit ist.

Doch Frank von Lenny Abrahamson läuft nicht auf diesen Moment der Enthüllung hinaus, sondern stellt lieber vorab die Vertrauensfrage an seinen bis dahin unkenntlichen Protagonisten: "Normale Gesichter sind auch komisch", meint der Mann mit den riesigen, blauen Augen zu Jon, "darunter lächle ich dich einladend an." Doch tut er das wirklich? Oder steckt hinter dem immergleichen Ausdruck nicht auch die Unfähigkeit, der Welt sein wahres Gesicht zu zeigen? Bis Michael Fassbender sich am Ende seines papierenen Kopfes entledigt, dient er jedenfalls seinen eingeschworenen Bandkomplizen als Möglichkeit der Erkenntnis: Auch wenn Frank abseits der Bühne wie ein hilfloses, großes Kind wirkt, sind es in erster Linie doch die anderen, die ihn zur Selbstvergewisserung brauchen.

Durchbruch ohne Seelenqual

Inspiriert vom britischen Musiker und Komiker Chris Sievey, der sich in den 80er-Jahren als Kunstfigur Frank Sidebottom den Kugelkopf überstülpte und dabei vom nunmehrigen Drehbuchautor Jon Ronson am Keyboard begleitet wurde, charakterisiert Frank seine Figuren nur anhand weniger Besonderheiten. Das macht etwa Franks eifersüchtige Beschützerin Clara (Maggie Gyllenhaal) mindestens so geheimnisvoll wie den exzentrischen Frontman.

Die Zeit, in der sich die Band mit dem unaussprechlichen Namen The Soronprfbs für ein neues Album monatelang in einer abgeschiedenen Waldhütte einquartiert – und von Jon finanziell über Wasser gehalten wird -, gerät zu einem kreativen Selbstfindungstrip, der sich nahe an der Persiflage bewegt und dabei auf alle in der Einsamkeit entstandenen Geniestreiche verweist.

Am Ende locken ein Auftritt und der mögliche Durchbruch. Doch der wahre Erfolg, auch davon erzählt dieser Film, kommt nicht von seelischen Qualen, die jedes Genie durchleiden muss. Es kann auch genügen, in einer verlassenen Bar auf die innere Stimme zu hören. (Michael Pekler, 1.9.2015)

Ab Freitag

  • The Soronprfbs machen in der amerikanischen Wüste Station: Maggie Gyllenhaal, Michael Fassbender und Domhnall Gleeson öffnen eine Büchse für einen besonderen Anlass.
    foto: filmladen

    The Soronprfbs machen in der amerikanischen Wüste Station: Maggie Gyllenhaal, Michael Fassbender und Domhnall Gleeson öffnen eine Büchse für einen besonderen Anlass.

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