Niedrige Inflation lässt mehr im Börserl der Europäer

31. August 2015, 15:46
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Reallöhne stiegen 2014 im EU-Mittel um 0,6 Prozent – In Österreich nur Zuwachs um 0,3 Prozent

Düsseldorf – Die extrem niedrige Inflation beschert einer Studie zufolge den meisten Beschäftigten in der Europäischen Union nach einer langen Durststrecke wieder leichte Lohnzuwächse. Während die Reallöhne 2013 noch in zwölf EU-Ländern gesunken waren, war dies 2014 lediglich in sechs Staaten der Fall, wie aus dem am Montag veröffentlichten Europäischen Tarifbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. In Österreich stiegen die Reallöhne 2014 geringfügig an, nachdem sie in den Jahren 2012 und 2013 noch stagnierten.

Österreich kaum mit Wachstum

Der Untersuchung zufolge stiegen die effektiven Reallöhne 2014 im EU-Mittel um 0,6 Prozent. Die höchsten Wachstumsraten wiesen demnach mit bis zu acht Prozent die baltischen Staaten auf. In Deutschland betrug der Zuwachs 1,8 Prozent, in Österreich nur 0,3 Prozent. In Griechenland, Portugal, Zypern, Kroatien, Polen und Slowenien verzeichneten die Forscher hingegen gesunkene Reallöhne. Für 2015 prognostiziert die EU laut WSI eine noch schwächere Preissteigerung und reale Zuwächse von durchschnittlich 1,5 Prozent bei den Arbeitseinkommen. 2015 werden demnach nur für Kroatien reale Lohnverluste prognostiziert. Für Österreich wird ein Reallohn-Plus von 0,7 Prozent erwartet.

Der WSI-Forscher Thorsten Schulten wertete die leichten Zuwächse bei den Reallöhnen in den meisten Staaten nicht als Ergebnis einer expansiven Lohnpolitik, sondern in erster Linie der extrem niedrigen Inflation. Um die Krise zu überwinden, seien aber deutlichere Lohnsteigerungen zur Belebung der Binnennachfrage in der EU nötig.

Lange Stagnation

Der Studie zufolge stiegen die Tarifverdienste in der Eurozone nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank 2014 nominal im Schnitt um 1,7 Prozent – die Effektivlöhne, also die tatsächlich gezahlten Gehälter, allerdings nur um 1,3 Prozent. Als einen Grund dafür nannte Schulten den Umstand, dass viele Unternehmen angesichts der hohen Arbeitslosigkeit kaum noch übertarifliche Leistungen anbieten. Zum anderen habe die EU-Politik in vielen Ländern Änderungen erzwungen, die auf weniger Tarifbindung hinausliefen.

Vertieft hat Schulten die Tariflohnentwicklung in Deutschland, Österreich und Spanien analysiert: Demnach konnten die deutschen Arbeitnehmer 2014 bei den Tariflöhnen ein Plus von nominal 3,1 und preisbereinigt 2,3 Prozent verbuchen. In Österreich waren es nominal 2,3 und real 0,8 Prozent, in Spanien lag der reale Zuwachs deflationsbedingt mit 0,8 Prozent über der nominalen Steigerung von 0,6 Prozent. Seit 2009 haben sich die Tariflöhne deutlich auseinanderentwickelt: Deutschland verzeichnete real ein solides Wachstum. Österreich hat dagegen erst 2014 wieder das Niveau von 2009 erreicht. In Spanien wurde der reale Rückgang bei den Tariflöhnen erst 2014 durch die negative Preisentwicklung gestoppt. (APA, 31.8.2015)

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