Peugeot 504: Kieberer-, Knacki- und Kult-Kiste

Ansichtssache31. August 2015, 12:21
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Im September 1968 stellte Peugeot die viertürige Limousine 504 vor. Vor zehn Jahren lief der letzte 504 in Nigeria vom Band. In 37 Jahren wurden weit mehr als 3,7 Millionen 504 erzeugt. Nur der 205 und 206 sind noch erfolgreicher.

foto: peugeot

Dieser Wagen schrieb Geschichte. Filmgeschichte etwa, mit Jean-Paul Belmondo oder Pierre Richard. Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh, die Polizei, aber auch die Gangster fuhren ihn, den Peugeot 504. Er schrieb Taxi-Geschichte, denn in Afrika fahren heute noch so viele davon als Taxi herum, dass die Fahrzeuge dort heute noch begehrter sind als sonstwo. Und der 504 schrieb Renngeschichte. Abermals war es Afrika, wo der 504 so oft triumphierte – etwa bei der Safari-Rallye 1975 in Kenia, die er gewann. Oder denken wir an die Doppelsiege bei der Marokko-Rallye 1975 und 1976. Oder wie an der Elfenbeinküste fünf 504 die ersten fünf Plätze belegten. Allen voran ein Coupé, gefolgt von vier Limousinen.

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An die Limousine erinnern wir uns wohl alle noch an den Wagen. Als Limousine wurde er 1968 zum ersten Mal vorgestellt. Mit dem 504 löste Peugeot den bereits 15 Jahre alten 404 ab. Wieder bat man Pininfarina darum Patron der Linien zu sein, und der Italiener knallte ein paar klare Kanten ins Blech, die bis heute verzaubern. Ein Meilenstein ist auch die Form der Scheinwerfer. Kaum eine andere Front ist so markant wie die des 504.

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Markant ist auch das richtige Wort für die Linienführung am Heck. Peugeot kam von der Heckflosse ab und gab dem Heckdeckel einen unverwechselbaren Knick. Einzigartig und unverwechselbar sind die Heckleuchten. Ist Ihnen auch gerade nach ein paar Glockenhosen und einem Hemd mit einem Kragen, so groß, dass man noch ein zweites Hemd daraus schneidern könnte?

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Nicht ganz so einzigartig sind die Türen des 504. Denn diese finden ein paar Jahre später, 1975, auch in einen anderen Peugeot. Der 604, mit dem die Franzosen in der oberen Mittelklasse aufräumen wollen, muss sich die Türen mit dem kleineren 504 teilen. Aber die beiden Wagen haben noch mehr gemein als die Türen: Das Rostproblem, das man heute dem 504 gerade noch zugesteht, das aber nicht zum sehr foinen 604 passte.

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Herrlich schön war die Langversion des 604. Sogar zwei Landaulets wurden gebaut – eines angeblich für Staatspräsidentin Frankreichs, eines für den Präsidenten von Niger.

1975 bekam der 604 als erster Peugeot den neuen PRV-Motor, eine Sechszylinder-Maschine die Peugeot, Renault und Volvo gemeinsam entwickelten. Ursprünglich hätte ein V8 das Ergebnis der Zusammenarbeit werden sollen, aber wegen der Ölkrise zwickte man doch zwei Häferl weg.

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Die Ölkrise bekam auch der 504 zu spüren. 1973 läuft ein 504 L vom Band, der auf ein paar Innovationen verzichtet, die überhaupt erst dafür verantwortlich waren, dass der 504er 1969 zum Auto des Jahres gewählt wurde – denn er hatte eine Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen. Die abgespeckte L-Version verzögerte hinten über Trommeln und wurde mit einer Starrachse ausgeliefert. Und mit dem 82 PS starken 1,8-Liter-Motor.

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Der 1,8-Liter-Benziner mit Vergaser oder mechanischer Kugelfischer-Einspritzung (97 PS), mit dem auch die ersten 504 motorisiert waren, stammte noch aus dem 404 und wurde 1970 von einem 2-Liter-Benziner mit 94 PS abgelöst. Der PRV-V6-Motor aus dem 604 war für den 504 dann ab Ende 1974 im Coupé und Cabrio erhältlich.

Einen Diesel bot Peugeot ab 1971 an. Erst gab es nur einen 2,1 Liter großer Selbstzünder, später folgten ein 2,0-Liter- und ein 2,3-Liter-Diesel.

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Auch weitere Karosserievarianten folgten. 1972 brachte Peugeot den großen Kombi, hier als Familiale im Bild, mit drei Sitzreihen, der sieben Personen Platz bot. Auf Basis des Kombis entstand auch ein Krankenwagen, den man vielleicht im einen oder anderen französischen Film aus den frühen 1980er-Jahren schon einmal gesehen hat. 1979 folgte ein Pick-up, den es auch mit Allradantrieb gab. Feinspitze erinnern sich jetzt natürlich auch an den 4x4 Dangel.

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Die schönsten 504er waren aber sicher das Coupé und das Cabrio. Wieder zeichnete Pininfarina das Auto, diesmal wurden aber auch gleich die Karosserien in Turin, in Italien gefertigt und nach Frankreich geschickt, wo dann erst Antrieb und Fahrwerk verbaut wurden.

1982 kam die letzte 504-Limousine nach Österreich. Ein Jahr später stoppten die Bänder in Frankreich. Doch in Kenia, China, Argentinien und Nigeria lief die Produktion weiter – in Nigeria bis Ende 2005, wo dann angeblich der 3.711.556. Peugeot 504 vom Band lief, der heute im Fundus des Peugeot Museums in Sochaux in Frankreich ist. (Guido Gluschitsch, 31.08.2015)

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Peugeot

Peugeot-Museum

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