Europa kämpft mit Millionen Tonnen an Computerschrott

31. August 2015, 11:28
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Organisierte Banden handeln illegal mit den Überbleibseln – Bestandteile oft wertvoll und hochgiftig

London – Müllberge aus Alt-Computern, Handys und Laptops: Elektro- und Elektronikschrott wird in Europa einer neuen Studie zufolge immer mehr zum Problem. In den 28 EU-Ländern wird demnach derzeit nur etwa ein Drittel der ausgemusterten Computer sowie von anderem Elektroschrott ordnungsgemäß und gemäß der Elektro- und Elektronik-Altgeräte-Richtlinie der EU entsorgt.

Falsches Recycling

Der Rest – immerhin 6,2 Millionen Tonnen im Jahr 2012 – werde falsch recycelt, ins Ausland gebracht oder einfach weggeworfen, heißt es in der Studie der Organisation CWIT (Countering WEEE Illegal Trade) zum Kampf gegen die Verschwendung von und den illegalen Handel mit Elektronik-Schrott. Die Folgen seien nicht nur Umweltprobleme durch austretende Gifte wie Quecksilber oder Blei, sondern auch wirtschaftliche Schäden, weil hochwertige Wertstoffe vergeudet würden.

Der Report biete wichtige neue Einblicke in ein Thema von wachsender wirtschaftlicher, gesundheitlicher und umweltschützerischer Besorgnis, sagte David Malone, Rektor der Universität der Vereinten Nationen. Produzenten, Händler, Recyclingunternehmen, Gesetzgeber, Strafverfolgungsbehörden, Wissenschaft und Hilfsorganisationen müssten viel besser zusammenarbeiten, forderte er.

Interpol als Auftraggeber der Studie

Die Studie war von mehreren Unterorganisationen der Vereinten Nationen sowie der internationalen Polizeiorganisation Interpol in Auftrag gegeben worden und wird von der Europäischen Union unterstützt.

Der Generalsekretär des Forums WEEE (Waste Electronical and Electric Equipment), Pascal Leroy, betonte: "Elektroschrott stellt den am schnellsten wachsenden der weltweiten Müllströme dar." Der unsachgemäße Umgang und der illegale Handel – teils von organisierten Banden betrieben – werde nach Informationen von Interpol nur in 0,5 Prozent der Fälle geahndet.

Illegaler Handel mit Millionen Tonnen an Schrott

1,3 Millionen Tonnen Elektroschrott und großteils noch funktionsfähige Computer haben 2012 die EU-Staaten in nicht angemeldeten Exporten verlassen. Innerhalb Europas sieht die Situation noch düsterer aus: 4,7 Millionen Tonnen Elektroschrott werden zwischen den EU-Ländern illegal hin- und hergeschoben. Das ist mehr als zehnmal so viel wie offiziell deklariert.

Insgesamt entstehe durch den nicht ordnungsgemäßen Umgang ein volkswirtschaftlicher Schaden zwischen 800 Millionen und 1,7 Milliarden Euro. Das Gewicht des illegal verschobenen Schrotts entspreche dem einer Backsteinmauer von Oslo bis Süditalien.

Einheitliche Richtlinien unverzichtbar

Der Expertenbericht macht eine Reihe von Vorschlägen zur Bekämpfung des Problems. Dazu gehören die bessere Ausbildung von Polizei, Staatsanwaltschaften und auch Richtern. Die Informationen der Strafverfolgungsbehörden müssten international koordiniert werden.

Vor allem aber müssten sich die EU-Länder auf einheitliche Richtlinien verständigen. Bisher habe etwa ein Drittel aller EU-Ländern nicht das nötige Regelwerk übernommen. (APA, 31.8.2015)

Eckdaten zum Elektromüll in Europa

  • Nur 35 Prozent – oder 3, 3 Millionen der 9,5 Million Tonnen ausrangierter elektronischer und elektrischer Ausrüstung wurde 2012 ordnungsgemäß entsorgt.
  • 1,3 Millionen Tonnen Elektroschrott verließen die EU im Jahr 2012 als nicht korrekt gekennzeichnete Exporte.
  • 4,7 Millionen Tonnen Elektroschrott wurden innerhalb der EU falsch gekennzeichnet oder illegal verkauft.
  • Die nicht wiederverwendeten, wertvollen Teile, etwa Edelmetalle, summieren sich auf einen Wert von bis zu 1,7 Milliarden Euro.
  • Nur 0,5 Prozent der Elektroschrott-Exporte aus der EU werden von Fahndern entdeckt.
  • Laut einer neuen Studie entsteht durch nicht ordnungsgemäßes Recycling von Elektroschrott ein volkswirtschaftlicher Schaden zwischen 800 Millionen und 1,7 Milliarden Euro.
    foto: heribert corn

    Laut einer neuen Studie entsteht durch nicht ordnungsgemäßes Recycling von Elektroschrott ein volkswirtschaftlicher Schaden zwischen 800 Millionen und 1,7 Milliarden Euro.

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